
Über einen Mangel an aktuellen Diskussionsthemen müssen sich die Organisatoren des Austrian Health Forum wahrlich nicht beschweren. Fällt doch die heurige Ausgabe des gesundheitspolitischen Gipfeltreffens in Schladming mitten in die heiße Phase des Ringens um die Gesundheitsreform.
Erst am Mittwoch hatte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), aktuell Chef der LH-Konferenz, seine Vorstellungen einer seit Jahren geforderten „Finanzierung aus einer Hand“ präsentiert: Auf Länderebene sollen demnach künftig aus einem Topf Spitäler und die niedergelassene Versorgung finanziert werden. Bisher sind ja für Erstere die Länder, für Zweitere die Sozialversicherung zuständig.
„Es braucht eine Finanzierung aus einer Hand“, betont auch Fiskalratschef Christoph Badelt in seinem Eröffnungsvortrag in Schladming. Er bedauert aber, das Mattle in seinem Vorschlag nicht bereit war, auch gleich die Bundesländer-Grenzen bei der Finanzierung einzureißen. „Mir würde die Idee eines Bundesfonds für die Gesundheitsversorgung gefallen“, so Badelt. Das österreichische System, in dem die eine Seite (der Bund) Geld einnehme und die andere Seite (die Länder) dieses ausgeben, sei hingegen alles andere als ein gut funktionierender Föderalismus.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch ÖGK-Obmann Peter McDonald. Er präferiert weniger den Mattle-Vorschlag als jenen seiner Salzburger Amtskollegin Karoline Edtstadler (ÖVP), die die Kompetenzen für die Gesundheit gänzlich zum Bund verschieben will.
Kosten enteilen
Auf jeden Fall seien tiefgreifende Reformen rasch nötig, betont Experte Badelt. Denn anders als bei den Pensionen, wo ab den 2030er-Jahren eine gewisse Stabilisierung zu erwarten sei, würden die Gesundheitsausgaben in den kommenden Jahrzehnten ungebremst weiter wachsen. Und das in einem Land, das im EU-Vergleich ohnehin schon überdurchschnittlich viel in diesen Bereich investiere.
Verantwortlich für den Anstieg seien die demografische Entwicklung, in einem hohen Maße aber auch die Inflation sowie der technische Fortschritt – sprich: Immer teurere Diagnose- und Therapieverfahren.
Wie gegensteuern?
Was laut Badelt ebenfalls passieren müsse, sei die seit Ewigkeiten geforderte Harmonisierung der Kassenleistungen. Nachdenken müsse man auch über das Lukrieren zusätzlicher Einnahmen – auch wenn man damit ein politisches Minenfeld betritt. Im Idealfall ließen sie sich mit mehr Beschäftigung und höherer Entlohnung erzielen, möglich seien aber auch eine größere Selbstbeteiligung der Patienten. „Eine einseitige Verteufelung bringt nichts“, appelliert Badelt. „Wir sollten nichts tabuisieren.“
Für den Experten fokussiere sich am Gesundheitsthema die Diskussion über die Zukunft des Sozialstaates. „Ich wünsche mir, dass die Politiker fernab von den Medien über diese Dinge reden. Weil wir sollen nicht warten, wir müssen vielmehr dringendst Taten setzen.“
Source:: Kurier.at – Politik



