Siegfried Fischbacher: Der Magier ist tot

Kultur

Siegfried und Roy sind beide gestorben. dEin glanzvolles Kapitel deutsch-amerikanischer Unterhaltung ist zu Ende

Dass Siegfried vom Magierduo Siegfried und Roy auch einen Nachnamen hatte, wird spätestens dann bewusst, wenn man über dem Nachruf sitzt. Siegfried und Roy – das war das Sinnbild für glitzernde Las-Vegas-Unterhaltung. Es war ein Ausdruck persönlicher Lebensentwürfe und ein untrennbarer Teil deutsch-amerikanischer Nachkriegsgeschichte. Siegfried Fischbacher starb am Mittwochabend an den Folgen seiner Krebserkrankung. Er überlebte seinen Lebenspartner und Bühnenkollegen Roy Horn um acht Monate.

Fischbacher erlernte seine ersten Zaubertricks mit acht Jahren. Sein erstes Publikum: Der alkoholkranke Vater, der aus der sibirischen Kriegsgefangenschaft als gebrochener Mann nach Deutschland zurückgekehrt war. Der Bub schaffte es, mit Illusionen seine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Fischbacher zog es noch als Jugendlichen in die Fremde, zunächst als Kellner, dann als echter Zauberkünstler. 1960 lernte er Roy Horn kennen – die beiden starteten ihre gemeinsame Laufbahn auf einem Passagierdampfer, auf dem sie einen Geparden in ihre Zauberkunststücke einbauten.

Die Shows wurden immer bombastischer und führten die beiden an den Ort, an dem Illusionen bekanntlich alles sind: nach Las Vegas.

1988 bekamen sie im Casinohotel Mirage einen Fünf-Jahres-Vertrag um 57,5 Millionen Dollar – der damals höchst dotierte Vertrag der Unterhaltungsindustrie. Als das Hotel im Jahr 1990 fertig war, starteten sie ihre bombastische und kitschige Zaubershow – Michael Jackson komponierte dafür eigens ein Lied. Eine Revanche dafür, dass Siegfried und Roy für eine seiner Welttourneen Illusionen beigesteuert hatten.

Das Engagement im Mirage wurde später auf Lebenszeit verlängert – das Casinohotel nahm 1,5 Milliarden Dollar mit der Show ein.

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REUTERS/Steve MarcusTeuerste Show der Welt

Die 100-minütige Vorstellung war begleitet von kitschigen Kostümen und unglaublichen Illusionen, bei denen Raubkatzen her- und weggezaubert wurden. Sie hatte die Aura des Entertainment um jeden Preis. Wie der Stern schrieb, war sie mit mehr als 50 Millionen Dollar Produktionskosten die teuerste jemals inszenierte Bühnenshow. 60 Personen und 27 weiße Tiger standen im Script und auf der Bühne. Sie machte die äußerst erfolgreichen Magier unsterblich – das Publikum liebte sie und tauchte millionenfach auf. Siegfried und Roy waren die Stars der erfolgreichsten Show der USA.

Das Ende kam mit einem Unfall im Jahr 2003: Einer der weißen Tiger der beiden Künstler biss Roy Horn und verletzte ihn schwer. Fischbacher erklärte wenige Tage später live auf CNN, der weiße Tiger habe seinen Bühnenpartner retten wollen, als dieser zusammengebrochen war. Auch Horn, der zeit seines Lebens gelähmt blieb, vertrat diese These. Der Tiger starb weniger Jahre später eines natürlichen Todes.

Die beiden Männer gingen als Weltstars in Ruhestand, den sie auf ihrem Alterssitz in Vegas verbrachten.

Wie berühmt die deutschen Auswanderer in Amerika werden sollten, verdeutlicht eine Anekdote aus dem Vorjahr: Als Horn an den Folgen einer Corona-Erkrankung starb, ließ der Gouverneur des Bundesstaates Nevada ihm zu Ehren Militärflugzeuge in Formation fliegen. Fischbacher blieb in den USA und weigerte sich, nach Deutschland zu übersiedeln, wo er Familie hatte. Der in Rosenheim aufgewachsene Magier hat einen Bruder und die Schwester Dolore, die in München als Nonne lebt. Sie verbrachte seine letzten Momente mit ihm am Telefon, erzählte sie deutschen Medien.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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