So lief die „Siegfried“-Premiere bei den Bayreuther Festspielen

Kultur

Bei jeder Opern- oder Theaterproduktion gibt es während der Proben irgendwann eine  Krise – warum sollte das beim Regisseur KI anders sein?

Drei Tage vor der ersten Premiere der Jubiläumsproduktion von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ anlässlich des 150. Geburtstages der Festspiele sei man – so erzählt man sich in Bayreuth – draufgekommen, dass sich die Künstliche Intelligenz, die hier anstelle eines Regisseurs zum Einsatz kommt, verselbstständigt hat. Hätte man eigentlich wissen können.

Dreieinhalb Jahre lang war das System mit hunderttausenden Bildern und Informationen zu 15 verschiedenen „Ring“-Produktionen gefüttert worden und hätte beim Ausspucken der Live-Bilder während der Aufführung innerhalb dieses Rahmens bleiben sollen. Tat sie nicht, sondern lernte dazu, sodass man kurzfristig einen Neustart ansetzen musste. Und seither immer darauf achtet, was sie genau tut.

Welche Bilder sie ohne diesen Restart auf die Leinwände vor und hinter der Bühne projiziert hätte, kann man nur erahnen. Etwas Brutales? Etwas Pikantes? Etwas Komödiantisches, weil ihr Wagner-Inszenierungen zumeist zu fad sind? Wird man nie erfahren.

So sah man jedenfalls auch bei „Siegfried“, wie die Sänger zu Comic-Figuren, zu Winzlingen geschrumpft werden. Das Ganze wirkt  wie „Meister Wagner und seine Pumuckl“: Man erkennt einen Menschen auf der Bühne, und rundherum kommen andauernd gezeichnete Gestalten dazu. Mit Fortschreiten des „Rings“ auch Politiker wie John F. Kennedy, erstaunlicherweise nachdem Siegfried den Drachen getötet hat. Manches ist hektisch wie „Tom und Jerry“. Anderes für Europäer so schwer verständlich wie Animes.

Was jedenfalls für Liebhaber von Opern, bei denen sich auf der Bühne auch nur irgendetwas Menschliches oder Emotionales tut, ärgerlich bleibt: Es gibt weder Personenführung, noch ein Spiel zwischen den Protagonisten, nicht einmal Requisiten.

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Es soll kaum Bühnenproben gegeben haben, die Sänger dürften angewiesen worden sein, sich nicht zu bewegen, damit  Sensoren auf ihrem Kopf das Licht steuern können und Dirigent Christian Thielemann sieht, wo sie überhaupt stehen. Unter ihren absurden Vogelkostümen tragen sie schwarze Anzüge wie Taucher, die vermutlich mit Technik vollgestopft sind. Soll sein.

Was nicht sein soll: Dass Siegfried beim Schmiedelied kein Schwert hat, auf das er schlagen kann; dass Wotans Speer nicht existiert; dass bei der Erweckung Brünnhildes die Wichtigste, nämlich Brünnhilde, anfangs gar nicht da ist. Undundund.

Bei allem Respekt für innovativste Zugänge im Opernfach: Das ist Anti-Musiktheater. Und ermüdet das Hirn und die Augen.

Immerhin die Ohren bleiben dank einiger fabelhafter Stimmen gerne wach. Michael Volle ist bei seinem ersten Bayreuther „Ring“ als Wotan auch ein grandioser Wanderer, mit schönem Timbre, herrlicher Phrasierung und viel Power bis zum Ende.

Auch Camilla Nylund als Brünnhilde singt sehr schön, versucht innerhalb der erforderlichen Dramatik so gut wie möglich lyrisch zu bleiben  und wird tatsächlich nie schrill. Eine untypische, aber famose Brünnhilde.
Gerhard Siegel ist als Mime ausdrucksstark, wenn auch nicht  wortdeutlich. Jochen Schmeckenbecher kommt an die großen Alberichs nicht heran, auch Fafner könnte energischer besetzt sein als mit Peter Rose. Christa Mayer ist eine solide Erda, Victoria Randem weit entfernt von einem idealen Waldvogel.

Der Sänger der Titelpartie, Klaus Florian Vogt, erstaunt mit seinem leichten, stets kindlich wirkenden, klar geführten Tenor und hält bravourös durch. Der Jung-Siegfried ist viel mehr seines als der …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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