
Für Heinz Lederer, Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats, steht der Medienstandort Österreich massiv unter Druck. Beim ORF-Zukunftsforum von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) am 10. und 11. September in Wien hätte er deshalb lieber „alle (Akteure) an einem Tisch“ gesehen. So liegt der Fokus auf dem ORF.
Wegen der Dominanz von Google, Amazon, Facebook und Co. (GAFAs) könnten die heimischen Medien künftig aber ohnehin nur durch Kooperation bestehen. „Wer allein agiert, geht unter“, meint Lederer im KURIER-Gespräch (Langfassung am Ende des Textes).
Er wirbt deshalb erneut für einen „Österreich-Player“ als digitale Plattform von ORF und privaten Medien. Gestützt auf Landesstudios und regionale Stärke, könne ein solches Projekt auch für die Werbewirtschaft attraktiv sein. Ansätze gibt’s schon auf sound.orf.at.
Mehr digitale Beinfreiheit für ORF
Dass Privatmedien eine ORF-geführte Plattform wie auch mehr digitale ORF-Angebote für junge Menschen ablehnen, resultiert für ihn aus einem „verengten Blick“. Dass der ORF via Gesetz alle Angebote für Unter-30-Jährige sausen lässt, „wird sicher nicht kommen“ und würde letztlich Privaten schaden.
Lederer plädiert im Gegenteil für „wesentlich mehr Beinfreiheit“ beim ORF-Digitalangebot. „Was sich im Netz oder auf Social Media nicht wiederfindet, findet bei jungen Menschen nicht statt.“ Es gehe da auch um den demokratiepolitischen Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen. Eine Angebotsausweitung müsse aber mit den Privaten abgestimmt werden.
Kein Tausch Sender gegen Digital-Optionen
Zugunsten digitaler Möglichkeiten am linearen ORF-Angebot oder bei den Landesstudios zu kürzen, ist für Lederer keine Option. „Abdrehen, um einzusparen – wenn der ORF nicht mehr mitspielt, sind alle Verlierer.“ Die „öffentlich-rechtliche Breite“ müsse erhalten bleiben, verweist er auf Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofs.
Die Verpflichtungen daraus sieht er beim FPÖ-Volksbegehren und dem Plan, dem ORF die öffentlichen Mittel zu halbieren, nicht mehr eingehalten. „Entweder nimmt die FPÖ die Verfassung nicht ernst oder sich selbst nicht“, sagt Lederer. Denn das hieße für die „einfachen Leut’“ u. a., kein Sport mehr im ORF und „wer die Philharmoniker am 1. Jänner hören will, soll sich Karten kaufen“.
Skepsis bei ORF-Beitrag in Verfassung
Trotzdem ist Lederer bei der Neos-Idee skeptisch, den Beitrag in die Verfassung zu schreiben: „Ohne jemandem nahe treten zu wollen, ich sehe nicht, dass der ORF-Beitrag in näherer Zukunft neben Fiakern und dem Taxi-Gewerbe in der Verfassung steht.“ Das sei auch vom Gesichtspunkt des fairen Wettbewerbs aus zu bewerten.
Auch der finanzielle Druck auf den ORF ist enorm. Die Bundesregierung hat 93 Millionen Euro aus der Vorsteuerkompensation – wohl verfassungs- und EU-rechtswidrig – gestrichen. ORF-Chefin Ingrid Thurnher geht dagegen juristisch vor und 2027 an die Substanz. Trotzdem meint Lederer: „Es gibt jetzt in diesem Stiftungsrat keine Mehrheit für eine Beitragserhöhung. Auch ich bin dagegen […] Wir lassen uns da auch nicht von Dauer-Klagenden oder mit der Haftung Drohenden hineintheatern.“
Der rote Freundeskreisleiter erwartet hingegen von der aktuellen ORF-Führung wie vom neuen Generaldirektor Clemens Pig, dass sie Strukturen beim 4.000-Mitarbeiter-Konzern hinterfragen. „Es gibt 30 Hauptabteilungsleiter im ORF. Warum?“ Auch die ORF-Info hat er im Visier und spricht von „8 1/2 Chefredakteuren, wenn wir den stv. Chefredakteur der ,ZiB 2‘ und ORF III mitzählen.“ Das ignoriert aber, dass Stellvertreter Hauptjobs haben.
Erfolgsfaktoren statt fixer Manager-Gehälter
Einschnitte will Lederer auch bei der Gehaltsstruktur. Bis 30. April 2028 müsse …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



