
„Ich bin zu Gast bei meinem Lieblingssender.“ Mit diesem verschmitzt-spöttelnden Satz warb Herbert Kickl vorab auf den parteieigenen Kanälen darum, das ORF-Sommergespräch zu verfolgen. Spöttelnd deshalb, weil Kickl und die FPÖ mit dem ORF ja alles andere als zufrieden sind. Nicht ganz zufällig will die FPÖ noch im September ein ORF-Volksbegehren einleiten, das unter anderem ein Ende der „Zwangsgebühren“ fordert.
Montagabend stellte sich also die Frage: Wie konfrontativ gibt sich Herbert Kickl?
Und die Antwort lautet: In Teilen sehr offensiv – insbesondere gegenüber Interviewerin Simone Stribl. Doch dazu später mehr.
Den Anfang machte das Thema Klimawandel: Hier argumentierte Kickl zusammengefasst, dass der Einfluss, den die Menschheit auf das Klima habe, eher marginal sei. Es sei „unseriös“ zu behaupten, man könne nur mit der Reduktion des menschengemachten CO₂ das Klima ändern. „Es ist vermessen zu glauben, man dreht einfach an einer Schraube, der Mensch hat es in der Hand – und dann hat man das Ding eingestellt.“
Bei der Frage der Wehrpflicht gab sich Kickl zurückhaltend. Bundeskanzler Stocker habe ein einziges Telefonat mit dem freiheitlichen Wehrsprecher geführt. „Aber wir wissen nicht, was die Regierung vorhat.“ Dementsprechend ließ er es offen, ob man der Wehrdienst-Reform nun zustimmt. „Ich warte auf das konkrete Modell der Regierung.“
Bei den Pensionen widersprach Kickl Parteifreund Arnold Schiefer. Nein, es werde mit ihm keine Verlängerung des Pensionsantrittsalters geben. „Wir bleiben beim Pensionsantritt mit 65.“
Einen inhaltlichen Akzent setzte der Freiheitliche mit der Ankündigung einer Gesetzesinitiative: Die FPÖ will ein „Verfassungsgesetz für Remigration“ einbringen.
Rote Linien
Und als es um die Identitären und die befreundete AfD ging, da kippte das Gespräch. Gefragt, warum er sich nicht schärfer von den Identitären distanziere, antwortete der Freiheitliche amikal. Er habe klare rote Linien: „Wo Demokratie nicht akzeptiert wird, wo die Verfassung mit Füßen getreten wird, das ist eine rote Linie.“ Auch Gewalt als legitimes politisches Mittel sei für ihn ein No-Go.
Dann fragte Stribl zu Parallelen zur AfD: Die befreundete Partei propagiere das Motto, dass Deutschland nicht 83 Millionen, sondern nur 60 Millionen brauche. „Wie viele Menschen sind in Österreich zu viel?“, wollte Stribl wissen – für den Freiheitlichen eine Provokation. „Ist Ihnen das nicht zu blöd?“, fragte Kickl gegen und gab sich demonstrativ verdutzt. „Wollen Sie mir unterstellen, dass ich Leute deportieren will? Wie kann man auf so eine blöde Frage kommen, mit Verlaub!“
Das Gespräch kam kaum wieder in Gang und Kickl erklärte mehrfach, dass ihn – Stichwort Atomkraft – vieles von der AfD unterscheide. Und weil die Identitären und die AfD für ihn zu viel Platz im Gespräch einnahmen, warf er der Journalistin an den Kopf, sie promote die AfD und die Identitären und sei „nicht am Punkt, was die Lebensrealität der Menschen angeht“.
Source:: Kurier.at – Politik



