Filmfestival Venedig: Monroe, Medienmogule, Menschenjagd

Kultur

Zur Halbzeit des Filmfestivals in Venedig wurde nun der zweite Goldene Löwe vergeben. Nachdem Hollywoodstar George Clooney einen für sein Lebenswerk erhalten hatte, war nun Ellen Burstyn an der Reihe. Trotz ihrer 93 Jahre ließ es sich die Schauspielveteranin nicht nehmen, selbst nach Venedig – „eine meiner absoluten Lieblingsstädte weltweit“ – zu reisen und die begehrte Trophäe für ihr Lebenswerk persönlich entgegenzunehmen. Insgesamt sechs Mal war Burstyn für einen Oscar nominiert, gewonnen hat sie ihn 1975 für ihre Rolle in Martin Scorseses „Alice lebt hier nicht mehr“. Jüngere Generationen kennen sie aus der Netflix-Serie „House of Cards“.

Wer jedoch denkt, Ms. Burstyn würde im Alter von 93 ans Aufhören denken, irrt. Im Rahmen des Festivals ist sie gleich in zwei Filmen zu sehen, und in einem davon in der Rolle von Marilyn Monroe – ausgerechnet jener tragischen Filmlegende, die nicht älter als 36 Jahre alt wurde. Heuer hätte Monroe ihren 100. Geburtstag gefeiert; Anlass für Filmregisseurin Maggie Gyllenhaal, ihr einen Film zu widmen.

„Flesh Impact“ nannte Gyllenhaal ihre 22-minütige, auf Hochglanz gebürstete Hommage, in der Marilyn Monroe über ihr Schicksal als Hollywoodikone auspackt. Sie tut dies im Rahmen eines Vorsprechens für eine Bühnenrolle – einmal als junge Frau, gespielt von Dakota Johnson, einmal als fast Hundertjährige in Gestalt von Ellen Burstyn. Es war übrigens Billy Wilder, der ihre Aura als „Flesh Impact“ beschrieben hatte: Sie, Marilyn Monroe, gebe dem Publikum das Gefühl, es könne die Hand ausstrecken und sie berühren. Diese besondere Qualität war Schlüssel zum Erfolg, aber auch schwere Last.

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Maggie Gyllenhaal stellt sich vor, was uns Marilyn Monroe heute alles hätte erzählen können – etwa über den Sexismus in Hollywood, der ihre gesamte Karriere begleitete. Sehr weit kommt sie in der Kürze zwar nicht; aber Ellen Burstyn in der Rolle der Monroe ist mehr als würdig.

Sex und Sport

Gleich zu Beginn hat Festivalchef Alberto Barbera angekündigt, dass das Filmprogramm in Venedig heuer so politisch ist wie nie zuvor. Krieg, aber auch der Aufstieg von autoritären Medienmogulen und das Anwachsen von rechtem Populismus spiegeln sich inhaltlich wieder. Schon im Eröffnungsfilm „Ink“ hatte der britische Regisseur Danny Boyle unsere von sozialen Medien und Fake News bestimmte Gegenwart aufs Korn genommen. Sein süffiger, mit Punk-Attitüde erzählter Tabloid-Thriller geht zurück in die Sechzigerjahre und erzählt den rasanten Aufstieg der britischen Boulevard-Zeitung The Sun, die mit dem Geld von Rupert Murdoch und dem Talent von Chefredakteur Larry Lamb 1969 die Medienlandschaft für immer veränderte.

Was interessiert die Menschen wirklich? Sex, Sport, Bier, Fernsehen – und natürlich das Wetter! Mit dieser Erfolgsformel erobert Lamb mit seinem Team die Herzen seiner Leser; doch was mit frischem Wind beginnt, endet im Sturm der moralischen Haltlosigkeit und wird zum Vorreiter für rechte Medien und Sender wie Fox News.

Denn im Fernsehen wiederum zählt nur Einschaltquote. In dem Wettbewerbsbeitrag „Primetime“ des Amerikaners Lance Oppenheim werden die Niederungen des Reality-TV in die Mangel genommen. Robert Pattinson verkörpert den skrupellosen TV-Moderator Chris Hansen, dessen kontroversielle Show „To Catch a Predator“ in den Nullerjahren für Kontroversen sorgte. Dabei wurden pädophile Täter vor laufender Kamera in die Falle …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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