Selbst verwaltende Immobilien: Braucht es Hausverwaltungen in Zukunft noch?

Wirtschaft

Der Immobilienwelt steht gerade ein Generationenwechsel bevor. „Die Babyboomer geben nach und nach ihr Vermögen an die nächste Generation weiter. Die wissen aber vielleicht gar nicht, worum sie sich dann kümmern müssen“, sagt Johannes Reichl, Mitgründer des Linzer Start-ups Flatwise. Wer Wohnungen vermietet, muss Mietverträge verwalten, Mieteingänge kontrollieren, Rechnungen ablegen, Fristen einhalten und Betriebskosten abrechnen. Flatwise will möglichst viel davon in einer Software bündeln und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) automatisieren. Das Ziel: Immobilien, die sich zunehmend selbst verwalten.

Zielgruppe sind private und kleine gewerbliche Vermieter, mit einer bis 100 Einheiten. Mit Flatwise sollen sie sich die Kosten einer externen Hausverwaltung sparen können.

Was es (noch nicht) kann

Die Entwicklung der autonomen Immobilienverwaltung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Flatwise will sich dabei in zweierlei Hinsicht von herkömmlicher Verwaltungssoftware unterscheiden: Die Plattform ist auf das österreichische Mietrecht trainiert und bezeichnet sich als „KI-nativ“. Vereinfacht gesagt wurde die Software von Grund auf so entwickelt, dass KI auf die gespeicherten Immobiliendaten zugreifen und mit den Funktionen der Software arbeiten kann.

Tatsächlich ist die KI bei Flatwise gerade vor allem eine Unterstützung. Sie kann etwa Informationen aus Dokumenten auslesen, bei der Anlage von Gebäuden helfen oder Fragen zum eigenen Immobilienportfolio beantworten. Ein Vermieter kann beispielsweise fragen, wie hoch die Leerstandsquote seines gesamten Portfolios ist, welche Wohnungen besonders lange leer stehen oder wo es Optimierungspotenzial gibt. Die KI sucht die entsprechenden Informationen selbst zusammen und gibt eine Antwort.

Szenario Rohrbruch

Die Wohnung steht unter Wasser, in der Küche ist ein Rohr gebrochen. Der Mieter schreibt über die Flatwise-App eine kurze Nachricht. Im Idealfall würde wenige Minuten später ein Handwerker vor der Tür stehen. Ganz so weit ist Flatwise noch nicht. Zwar können Vermieter ihre Handwerker in der Software hinterlegen und den jeweiligen Wohnungen zuordnen. Den Installateur kontaktieren und einen Termin vereinbaren muss der Vermieter derzeit aber noch selbst. Genau hier soll die nächste Entwicklungsstufe ansetzen: Die KI soll künftig Nachrichten von Mietern auf der eigenen Plattform verstehen, Anliegen priorisieren und einfache Anfragen selbst beantworten. Bei komplexeren Fällen soll sie den Vermieter einschalten.

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Wo es hin will

Einen Fokus legt das Start-Up auf eine verstärkte KI-gestützte Interaktion zwischen Mietern und Vermietern. Zukünftig sollen dann auch Aufgaben eigenständig erledigt werden. Bis zur vollständig selbstverwalteten Immobilie ist aber noch ein Stück. Und gerade bei rechtlich heiklen Vorgängen bleibt der Mensch verantwortlich.

Das zeigt sich etwa bei der Betriebskostenabrechnung. Flatwise kann die Abrechnung automatisiert erstellen. Wenn allerdings ein Einkauf, etwa aus einem Baumarkt, falsch eingegeben oder zugeordnet wurde und dadurch falsche Kosten verrechnet werden, liegt die Letztverantwortung beim Vermieter. Auch der KI-Chat ersetzt keine rechtliche Beratung.

Ende August ist Flatwise offiziell gesartet. In der bisherigen Beta-Phase wurde die Software nach Angaben des Start-ups bereits von Vermietern mit mehr als 3.000 verwalteten Einheiten getestet. Das Feedback dieser Nutzer sei laufend in die Entwicklung eingeflossen. Bis zum Jahresende wolle man das Produkt noch weiter optimieren.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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