Ein Förster mit komischen Ideen: Die tragische Erfindung der Schiffsschraube

Wirtschaft

Laut Schätzungen gibt es über 30 Millionen Boote und Schiffe auf der Welt. Der größte Teil davon bewegt sich mittels Motor und Schiffsschraube durch das Wasser. Dass die Schraubenform und Wasser eine ganz gute Kombination abgeben, hat bereits der griechische Mathematiker Archimedes erkannt. Lange Zeit kamen Schiffe dennoch mit Rudern, Segeln und Schaufelrädern voran. Das änderte sich Anfang des 19. Jahrhunderts. 

Beamter nervte Schiffsbauer

Nachdem Napoleon besiegt worden war, begann das österreichische Kaiserreich an der Adria mit dem Aufbau einer Kriegsmarine. Dafür wurde jede Menge Holz benötigt. Ein Forstbeamter namens Josef Ressel ging den Schiffsbauprofis dabei gehörig auf die Nerven. Er hatte viele Ideen zur Effizienzverbesserung und tüftelte an etwas Neuem: der Schiffsschraube.

Andere auf Ideen gebracht

Mangels Kooperationspartnern führte er selbst Versuche durch. In den Werften stieß seine Erfindung auf wenig Anklang, Ressel war davon jedoch so überzeugt, dass er das Konzept Geschäftsleuten in Paris präsentierte. Die nahmen die Idee begeistert auf. Sie verbreitete sich rasch. Leider hatte Ressel es verabsäumt, sich rechtlich abzusichern. 

Wenige Jahre später konnte Ressel die Früchte seiner Entwicklungsarbeit schon am Meer betrachten, allerdings ohne dafür gewürdigt oder gar entschädigt zu werden. Als Erfinder der Schiffsschraube gerierten sich andere. Ressels Versuch, das Dampfschiff „Civetta“ mit einem Schraubenantrieb auszustatten, misslang wegen eines gebrochenen Dampfrohrs. Ein darauf folgender Rechtsstreit führte beinahe in den finanziellen Ruin.

Sich nicht unterkriegen lassen

Die britische Regierung schrieb 1852 einen Preis für den „wahren Erfinder der Schiffsschraube“ aus. Ressel erkannte die Chance und schickte seine Unterlagen nach London. Rückschläge und das Ankämpfen dagegen war der Österreicher gewohnt. 1793 wurde er im böhmischen Chrudim (einer Stadt auf halbem Weg zwischen Prag und Brno) geboren. In Linz ging er zur Schule, in Wien studierte er Mechanik und Hydraulik. 

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Durch den Krieg gegen Napoleon verarmten seine Eltern jedoch. Ressel bemühte sich um ein Stipendium, um eine Ausbildung im Forstwesen zu erlangen, wurde jedoch als „zu schwach“ abgelehnt. Über Umwege gelangte jedoch eine Skizze Ressels von der Völkerschlacht bei Leipzig zu Kaiser Franz, der ihm persönlich die Ausbildung bezahlte. Dadurch konnte Ressel seine Karriere als Forstbeamter starten.

Ohne Anerkennung gestorben

Ressels an die britische Regierung geschickte Unterlagen, die ihn als den wahren Erfinder der Schiffsschraube bestätigen sollten, kamen angeblich nie an. Der Preis wurde an fünf andere Erfinder vergeben. Einer jener Erfinder, der von Ressels Ideen „inspiriert“ wurde, war der Brite Francis Pettit Smith, der den Schraubenantrieb tatsächlich verfeinerte. Ressel hingegen scheiterte mit seinem Kampf um Anerkennung und blieb bei der Forstwirtschaft. 1857 starb er in Ljubljana an Malaria oder, nach anderen Quellen, Typhus.

Posthum zur Symbolfigur geworden

Seine Erfindung eroberte die Weltmeere und revolutionierte den Passagier- und Warentransport. Der wesentlich ineffizientere Schaufelradantrieb war bald Geschichte. Ressels Stern stieg posthum weit empor, vor allem in Österreich und seinen Nachbarländern. In Tschechien, wo er geboren wurde, in Slowenien, wo er lange Zeit lebte, in Deutschland und in Österreich wurden zahlreiche Straßen, Schulen und Hochschulen nach ihm benannt. In den 60er-Jahren prangte sein Antlitz auf dem 500-Schilling-Schein.

Ein Denkmal steht unter anderem in Wien im Resselpark, direkt vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität. Der Park ist um einiges …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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