Volkstheater 2026/27: Monsterprojekte und „Macbeth“-Match

Kultur

Der Neustart ist Jan Philipp Gloger, seit knapp einem Jahr Direktor des Volkstheaters, nach dem Kay-Voges-Desaster geglückt – künstlerisch und wohl auch wirtschaftlich. Eigentlich müsste der hemdsärmelige, sympathische Chef mit einem strahlenden Gesicht und tollen Zahlen vor die Presse treten. Aber er gab weder die Höhe der Karteneinnahmen noch die Auslastung bekannt – und auch nicht den Eigendeckungsgrad.

All diese Zahlen offenzulegen, ist bei den Bundestheatern (Staats- und Volksoper, Burg- mit Akademietheater) üblich. Immerhin werden sie, wie natürlich auch das Volkstheater, vom Steuerzahler finanziert.

Doch Cay Stefan Urbanek, der Geschäftsführer, hält weiterhin nichts von Transparenz. Bei der Pressekonferenz am Montag warf er nur Nebelgranaten (87 Prozent der Einnahmen wurden in der laufenden Saison mit Produktionen auf der großen Bühne erzielt). Und Gloger fügte sich.

Dabei hätte er schon das eine oder andere erklären können. Zum Beispiel: Dass er weitgehend auf Popkonzerte und Kabaretteinmietungen verzichtet, die viele Besucher anlocken. Dass er daher öfter als sein Vorgänger Theater spielt. Die Zahl der Vorstellungen auf der großen Bühne nahm daher um respektable 22 Prozent zu. Was aber mit sich bringt, dass die Auslastung, wenn man, wie er, ohne Tricks arbeitet, noch nicht super ist.

Und er hätte auch analysieren können, dass die Steigerung der Besucherzahlen in allen Spielstätten um 13 Prozent (von 92.816 auf 104.970) dem Volkstheater in den Bezirken zu verdanken ist. Denn Julia Engelmayer und Anja Sczilinski arbeiten mit enormem Enthusiasmus. Und die hoch amüsante Therapiestunde „State Of The Union“ mit Johanna Wokalek in Glogers Regie war an allen Spielorten ausverkauft – so etwas hat es die letzten 15 Jahre nicht gegeben.

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Der Direktor blieb in seiner Pressekonferenz also vieles schuldig. Er gab nicht einmal bekannt, in welcher Produktion man die Wokalek in der nächsten Saison sehen können wird. Obwohl er selbst feststellte, dass die Wienerinnen der Schauspielerinnen wegen ins Theater gehen. Er beschränkte sich lediglich darauf, jene Stars zu nennen, die man nicht mehr am Volkstheater sehen wird: Paula Nocker wechselt nach nur einer Saison an die Volksoper, und Nick Romeo Reimann dreht lieber Filme.

Viedeospiel-Kosmos

Hausregisseurin Rieke Süßkow sticht gleich zu Saisonbeginn am 10. September Barbara Frey ab, die am 4. April 2027 im Burgtheater „Macbeth“ herausbringt: Sie verlagert die Mordorgie in den Videospiel-Kosmos.

Der Direktor selbst inszeniert „Der Untergang der Titanic“ von Hans Magnus Enzensberger (ab 12. Dezember) und wagt sich an ein „Monsterprojekt“: Er kombiniert vier radikal gekürzte Texte von Elfriede Jelinek, die einen großen Bogen von den NS-Gräueltaten bis in die von rechten Einpeitschern geprägte Gegenwart spannen: „Die Ankunft“ kommt am 26. September heraus, vier Wochen vor dem 80. Geburtstag der Literaturnobelpreisträgerin.

In Konnex dazu gedenken Nesterval, die an diesem Wochenende bei den Festwochen und im Brut die „Nibelungen“ als Doppelpack-Spektakel aufbereiten, des Justizpalastbrandes: Man wird auch Backstage die Generalprobe der Polit-Revue „1927“ (auch ein Monsterprojekt) miterleben dürfen.

Sarah Viktoria Frick & Martin Vischer, die gerade in St. Pölten „Speed“ herausgebracht haben, widmen sich der „Schule der Frauen“ von Molière, Felicitas Brucker ergänzt Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ mit Texten von Gerhild Steinbuch und Claudia Bauer setzt Daniil Charms um („Jelisaweta Bäm“).

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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