Song Contest in Wien, muss das sein?

Kultur

Das Beste am Song Contest ist ja nicht die Musik. Die ist lediglich der   – zugegeben manchmal gewöhnungsbedürftige  – Soundtrack für ein gemeinschaftliches Erlebnis, an dem wir alle die nächste Woche  teilhaben dürfen. Ja, Betonung auf alle. Denn was die Widerwilligen (siehe mein Kollege links) oft gar nicht am Schirm haben: Bei  den Euphorischen (schuldig!) schaukeln sich die Wellen des Spaßes zwischen den Grant-Staumauern noch mehr hoch.   

Allein die Vorstellung, ins angesäuerte Gesicht des  Gegenübers einen blauen Stern wie ihn auch Cosmó trägt,  zu malen, ist ein Quell reinster Freude (aufpassen bei der Kolleginnenwahl!). Wien ist zudem  der perfekte Schauplatz  für das Spektakel. Jeder ESC-Charakter findet hier seinen Platz: Die Hochkulturellen können sich  in den Museen  Wissen aneignen, die  Geselligen  ohne Berührungsängste sind am Rathausplatz willkommen, die  Gegner finden  an Stammtischen oder sonst wo wortgewaltige Leidensgenossen. 

Auch Wien-unabhängig gibt es jetzt so viel Tolles: Leute schauen,  sich über die  Inszenierung  mancher Beiträge wundern oder sich an ihnen erfreuen, mit ESC-begeisterten Familienmitgliedern oder Freunden bei Fernsehabenden zusammenkommen. Das Beste am Song Contest ist einfach alles rundum. 

Agnes Preusser leitet das Chronik-Ressort des KURIER.

Das Schlimmste am Song Contest ist ja nicht die Musik, zumindest kann man das dem Bewerb nicht vorwerfen in einer Zeit, in der Menschen ungestraft öffentlich Schlager hören. Das Schlimmste ist auch nicht das stählerne Grinsen, mit dem die Angestellten vieler Betriebe derzeit für ein bisschen Firmen-Image die „Tanzschein“-Moves auf Social Media nachmachen müssen (aufpassen bei der Berufswahl!). Das Schlimmste am Song Contest mag sein, dass wir alle Meinungen dazu schon durch haben und sie in den nächsten sieben Tagen trotzdem nochmal gemeinsam und aneinander abarbeiten müssen. Ja, schlechte Musik, eh, schauen alle komisch aus, nein, Wien mag keine Leut’ von anderswo, echt, ich hab’ nur zufällig geschaut, weil ich die Fernbedienung nicht gefunden habe.

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Viel konstruktiver als dieser Austausch von Banalitäten wäre doch, neue Posen einzunehmen. Da meine Kollegin rechts – so viel muss gleich klargestellt werden –, den Song Contest wirklich mag (was man ihr, siehe oben, nicht vorwerfen darf, zumindest nicht schriftlich), probieren wir auf dieser Seite der Kolumne in den nächsten Tagen etwas Neues: Wir lassen uns vom Song Contest unterhalten, und zwar dezidiert widerwillig. Denn das Schlimmste am Song Contest ist, dass er weniger schlimm ist als alles andere.

Georg Leyrer leitet das Kultur-Ressort des KURIER.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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