Europas Energieriese will die Arktis erobern – und lässt sich von der EU nicht stoppen

Politik

Eine stabile Demokratie, engagiert beim Klimaschutz, die ihre Einkünfte aus dem Öl- und Gasgeschäft in einem staatlichen Fonds für die Zukunft des Landes bunkert: Norwegen ist ein untypischer Energieriese – und damit für die EU der Hoffnungsträger in der aktuellen Energiekrise. Jetzt aber geht das reiche skandinavische Land in Energiefragen offen auf Konfrontationskurs mit Brüssel. Energiepartnerschaft hin oder her, man will sich nicht mehr an EU-Vorschriften halten, vor allem nicht in Fragen des Umweltschutzes.

Streit mit Norwegen, gerade vor der Winterkrise

Die Preise für Erdgas stecken auf hohem Niveau fest, entsprechend schlecht gefüllt sind auch Österreichs Erdgasspeicher: mehr als zehn Prozent weniger als zum selben Zeitraum im Vorjahr. Doch die Aussichten auf mehr Erdgas aus Norwegen, um etwa den Ausfall Russlands wettzumachen, trüben sich gerade deutlich ein. Denn in Oslo macht man sehr deutlich, dass dieses zusätzliche Erdgas an Bedingungen geknüpft ist, die den Verantwortlichen in Brüssel sehr sauer aufstoßen: Die neuen Quellen, die man erschließen will, liegen nämlich in der Arktis – und dort ist durch ein EU-Moratorium die Förderung untersagt.

„Wir lassen uns von Brüssel nicht aufhalten“

Das galt und gilt auch für Norwegen, bis jetzt. Denn wie Norwegens Terje Aasland zu Wochenbeginn deutlich machte, will das Land an seinen Plänen zur Öl- und Gasförderung in der arktischen Barentssee festhalten: „Wir werden diese Gebiete erschließen, und dann wird es an der EU liegen, ob sie ein Moratorium für den Kauf dieses Gases oder Öls verhängen will.“

In Oslo sieht man sich in einer Position der Stärke: Norwegen ist der wichtigste Erdgaslieferant für die EU, rund ein Drittel des Bedarfs strömt durch Pipelines unter der Nordsee nach Deutschland oder in die Niederlande. Auch Norwegens Öl fließt fast ausschließlich in Richtung Europa – und während sich die Lieferengpässe und damit der Preiskampf ums Erdgas weltweit verschärfen, bleibt Brüssel wenig anderes übrig, als auf Norwegen zu hoffen.

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Massives Lobbying läuft seit Monaten in Brüssel

Aaslands Haltung ist grundsätzlich nicht neu. Norwegens Regierung drängt seit Jahren darauf, endlich die Gasförderung in der Arktis auszubauen.Man sei am oberen Ende der Förderkapazität angelangt. Eine Botschaft, direkt gerichtet an die EU-Spitze. Norwegen hat neue Quellen bereits ins Auge gefasst. Rund 70 neue Gas-Förderstätten sind in den Plänen der Regierung in Oslo aufgelistet. Es geht um rund sechs Milliarden Kubikmeter Gas, also etwa Österreichs Jahresverbrauch, die sich kurzfristig erschließen ließen. Der Haken an der Sache: Fast alle diese Lagerstätten liegen in der norwegischen Arktis. Dass Öl- und Gasförderung dort für die EU nach derzeit gültigen Spielregeln tabu ist, das kümmert die Norweger von jetzt an offensichtlich nicht mehr.

Kurskorrektur wird auch in Brüssel erwartet – Beschluss eigentlich überfällig

Eigentlich wollte die EU-Kommission ohnehin ihr Gas-Moratorium für die Arktis ummodeln. Der derzeitige wirtschaftspolitische Kurs in Brüssel hat die über Jahre angesteuerten grünen Ziele hintangestellt. Jetzt steht die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Brennpunkt – und dafür weicht man gerade die eben erst aufwendig eingerichteten Klima- und Umweltschutzvorschriften auf. Auch die für die Arktis? Eine Überprüfung des Moratoriums läuft seit Monaten, ein Ergebnis ist längst überfällig.

In Oslo jedenfalls verliert man offensichtlich die Geduld. Über Jahre haben die Energiekonzerne …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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