
Das kommunistische Känguru sagt ja eigentlich immer: „Mein, dein, das sind doch bürgerliche Kategorien.“ Sein Schöpfer Marc-Uwe Kling ist da nicht so leger, was Besitzansprüche angeht. Zumal, wenn es um das Urheberrecht geht. Da wurde es dem Kleinkünstler und Autor nun zu bunt. Zusammen mit dem Verlag Carlsen und der Illustratorin Astrid Henn hat er nun Klage gegen die ChatGPT-Firma OpenAI eingereicht.
„Das NEINhorn sagt NEIN“, schrieb Kling in seiner Stellungnahme zu der Angelegenheit in der vergangenen Woche. Denn es geht nicht um das Känguru, sondern um die Kinderbuchfigur, die sowieso zu allem Nein sagt. Hier nun dazu, dass sich die KI-Firma OpenAI für das Training von ChatGPT am NEINhorn bedient.
Eigens erfundene Story
Vom NEINhorn gibt es drei Bücher („Das NEINhorn“, „Das NEINhorn und die Schlangeweile“ und „Das NEINhorn und der Geburtstag“). Es gibt auch Mitmach- und Pop-up-Bücher und auch ein Kartenspiel und bald auch eine Verfilmung. Aber was es zum Beispiel nicht – zumindest nicht offiziell – gibt, ist: „Das NEINhorn im Wald“. Davon erzählt einem aber ChatGPT, wenn man die Maschine um eine Geschichte mit der beliebten Figur bittet, wie ein KURIER-Test am Dienstag ergeben hat. Dabei bedient sich die KI an der urheberrechtlich geschützten Figur, es mangelt dem Text aber gehörig am spritzig-anarchischen Witz.
ChatGPT illustriert die Geschichte nach Bedarf auch, und laut Verlag lassen sich die Bilder von den Originalbildern der Illustratorin Astrid Henn kaum unterscheiden. Weil ChatGPT „eigeninitiativ Vorschläge für weitere rechtsverletzende Texte und Illustrationen zum NEINhorn“ macht und „ganze Druckvorlagen für illustrierte Geschichten, samt Umschlaggestaltung, Impressum, einer gefakten ISBN und Verlagslogo“ anbietet, gehen die Klagseinbringer davon aus, dass die Originalwerke aus der Reihe „Das NEINhorn“ „in unrechtmäßiger Weise zum Training der Sprach- und Bildmodelle von OpenAI genutzt wurden“.
Ohne zu fragen
Carlsen-Verlegerin Sandra Harzer-Kux sagte in einem Interview mit der Zeit am Dienstag, dass man Verständnis habe für Fans, die für den Privatgebrauch mit der KI und dem NEINhorn experimentieren, aber „viele Menschen gehen davon aus, dass sie nutzen dürfen, was ihnen der Bot ausspuckt. Ihnen ist gar nicht klar, dass sie damit an einem Rechtsverstoß beteiligt sind. (…) ChatGPT ist ein kommerzielles Angebot, das sich geschützte Inhalte zunutze macht, ohne zu fragen und ohne zu zahlen.“
Source:: Kurier.at – Kultur



