Julian Knowle über die US Open: Laut, spannend und ein verstecktes Doppel

Sport

Flugzeuge im Landeanflug, Hollywoodstars auf den Tribünen und das mit 23.771 Plätzen größte Tennis-Stadion der Welt: Am Sonntag beginnt das lauteste Grand-Slam-Turnier des Jahres, die US Open in New York.

2007 hat dort der Vorarlberger Julian Knowle das Doppel gewonnen. 2026 ist er auf Puls 4 und Joyn einer der Experten bei den TV-Übertragungen. Mit dem KURIER sprach der 52-Jährige über …

… seinen Favoriten Carlos Alcaraz: Ich kann mich nicht erinnern, dass das Feld jemals so offen war. Alcaraz ist für mich immer einer, den ich zum Favoritenkreis zählen muss. Wenn er nicht fit wäre, würde er noch nicht spielen. Er hat die Qualität, dass er sich, wenn er über die ersten ein, zwei Runden kommt, von Match zu Match steigern kann. Alexander Zverev hat in Paris bewiesen, dass er mit dem Druck umgehen kann. Er ist sicher der logische – unter Anführungszeichen – Favorit. Ich glaube auch, dass man Novak Djokovic nie vergessen darf. Bei ihm wird es darauf ankommen, wie er durch die erste Woche kommt. Verliert er dort zu viel Kraft oder hat er eher ein paar lockere Matches?

… die US-Amerikaner: Spannend wird, was die Amerikaner machen – etwa Ben Shelton und Taylor Fritz. Aber auch dem Spanier Rafael Jodar traue ich viel zu.

… die Zukunft des Doppels, das von großen Veranstaltern etwas versteckt wird: Sie sagen es richtig: Das Doppel wird versteckt. Die ATP hat es nicht geschafft, das Doppel sichtbarer zu machen. Dabei ist das Doppel, glaube ich, auch für jene, die es konsumieren, ein richtig gutes und cooles Produkt. Das Problem ist, dass man die Spieler nicht kennt. Das ist schwierig, weil sich der Zuschauer mit irgendjemandem identifizieren möchte. Wenn er die Spieler nicht kennt, geht er vielleicht vorbei und denkt sich: Das sind coole Ballwechsel. Aber es gibt keine Hintergrundstorys. Man möchte zu jemandem halten und sagen: „Okay, den finde ich cool, der taugt mir.“ Das ist leider nie passiert. Das macht es zu einem Problem für den Doppel-Bewerb.

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… die Ausbildung junger Spieler: Ich habe den Fehler gemacht, dass ich mich viel zu früh auf Tennis konzentriert habe. Ich rate Eltern, dass sie ihr Kind möglichst lange mehrere Sportarten ausüben lassen. Ich konnte die koordinativen Nachteile bis zu meinem Karriereende nicht mehr ausgleichen.

… die vor Kurzem erschienene Netflix-Doku über Rafael Nadal, in der man miterlebt, wie sehr der spanische Gigant fast seine gesamte Karriere unter Schmerzen litt: Ich finde die Doku mega. Wenn ich daran denke, bekomme ich sofort wieder Gänsehaut. Es ist so gut rübergekommen, warum ich ihn so sehr bewundere: Er hat den Sport mit einer unglaublichen Intensität betrieben. Wenn er auf dem Platz stand, ging es in jedem einzelnen Punkt um alles. Es hat mich nicht überrascht, weil ich vieles sehr nah erlebt habe. Für mich war es spannend, weil ich immer wieder daran gedacht habe, wie es bei mir damals war. Ich habe schon gewusst, dass er lange Probleme hatte. Aber das wurde natürlich immer ein bisschen geheim gehalten. Jeder junge Athlet, egal in welcher Sportart, sollte sich diese Doku …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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