Wohnungssuche: Die Hitze verändert die Auswahlkriterien

Wirtschaft

Die zunehmenden Hitzewellen in Europa, Tagestemperaturen über 40 Grad und kaum Abkühlung in der Nacht verändern zunehmend die Anforderungen an Wohnräume. Verglaste Bürotürme, nicht ausreichend gedämmte Dachgeschoßwohnungen ohne Außenbeschattung und Einfamilienhäuser mit großflächigen Fenstern Richtung Süden verlieren damit unter Umständen an Attraktivität.

Damit ändert sich auch die Wohnungssuche am Immobilienmarkt und die jeweiligen Suchkriterien. „In den vergangenen Jahren hat sich der Anforderungskatalog bei der Immobiliensuche erweitert. Lage, Größe und natürlich die Kosten sind nach wie vor entscheidend“, sagt Martina Hirsch, Geschäftsführerin von sReal Immobilien.

„Hinzu kommt nun immer öfter die Frage, wie angenehm und auch wie gesund das Wohnen in der Immobilie an heißen Sommertagen ist“, beobachtet die sReal Geschäftsführerin. Die Ausrichtung des Gebäudes, begrünte Außenflächen, die Beschattung, Klimaanlagen oder Wärmepumpen mit Kühlfunktion sowie die Dämmung und Außenjalousien gegen sommerliche Überhitzung gewinnen bei Immobilienbesichtigungen an Bedeutung. 

Auch die Form eines Gebäudes ist ausschlaggebend dafür, ob sich Beschattung ergibt und zu welcher Tageszeit, ebenso dafür, ob ein Luftzug entsteht. Bei jenen Immobilien, die noch nicht mit einem Kühlsystem wie Klimaanlagen, Bauteilaktivierung, Decken- oder Bodenkühlung ausgestattet sind, ist eine zentrale Frage der Interessenten, welche Möglichkeiten für die Nachrüstung gegen Überhitzung bestehen.

Der Kühlbedarf nimmt zu

Eine Studie der Universität für Bodenkultur in Wien geht davon aus, dass sich der Kühlbedarf von Gebäuden in Österreich bis 2050 mehr als verdoppeln könnte. Häuser, die heute errichtet oder umfassend saniert werden, sollten daher möglichst so geplant werden, dass sie auch den klimatischen Bedingungen der kommenden Jahrzehnte gerecht werden.

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„Ein umfassendes Kühlungskonzept ist heute in vielen Bauplanungen fest verankert. Wir sehen, dass Entwickler die neuen Bedürfnisse berücksichtigen“, sagt die sReal-Geschäftsführerin. „Außenbeschattung anstatt Innenjalousien, Klimaanlageneinbau oder zumindest die Vorbereitung dazu und auch Kühlsysteme, etwa über Betonkernaktivierung oder die Wärmepumpe, finden sich immer häufiger in den Bau- und Ausstattungsbeschreibungen. Da haben Käufer im Neubau oft schon einen entscheidenden Vorteil.“

Eine Immobilie besteht über Jahrzehnte, daher ist es immer wichtiger, nicht nur die Anforderungen von heute, sondern auch jene der Zukunft mitzudenken. Viele Bestandsimmobilien wurden in einer Zeit errichtet, in der sommerliche Hitzeperioden seltener waren. „Wir dürfen nicht länger Gebäude für ein Klima sanieren und bauen, das es nicht mehr gibt“, betont Martina Hirsch.

Nach Einschätzung des internationalen Immobiliendienstleisters CBRE haben Gebäude, die älter als 15 Jahre sind, Anpassungsbedarf. „Die Diskussion konzentrierte sich lange auf Energieverbrauch und CO2-Emissionen. Nun kommt hinzu: Wie widerstandsfähig ist ein Gebäude gegenüber den Folgen des Klimawandels?“, sagt Elvis Penjo, Head of ESG CBRE Österreich. Die Anpassung an Temperaturspitzen und Extremwetter betrifft laut CBRE die Gebäudetechnik sowie die Gestaltung von Fassaden und Freiflächen. Dass auch ältere Bürogebäude adaptiert werden können, zeige ein von der ÖBB genutzte Objekt in der Lassallestraße in Wien.

Klimaanlage ist nicht immer die Lösung

Die Hitzewelle hat für viele Bewohner klar gemacht, dass Sie eine Lösung brauchen, um die eigene Immobilie unter den veränderten klimatischen Bedingungen bewohnen zu können. Die ARGE Eigenheim macht deutlich, dass Einzelmaßnahmen das Problem langfristig nicht lösen. Bundesobfrau Isabella Stickler dazu: „Hitzeschutz darf nicht isoliert über einzelne Klimageräte diskutiert werden. Es wäre ein Fehler, den Hitzeschutz von den laufenden Wohnrechtsverhandlungen zu Sanierung und Dekarbonisierung abzukoppeln“, sagt sie …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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