Griechenland übergibt rote Schulden-Laterne an Italien

Politik

Griechenlands konservativer Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, der das Land seit 2019 regiert, bedankte sich demonstrativ bei Christopher Nolan für dessen „Odyssee“. Der Kassenschlager, so die Botschaft aus dem Regierungssitz, wecke weltweit neues Interesse an der griechischen Antike – und dürfte, ganz nebenbei, auch der Gegenwart des Landes zugutekommen.

Ein großer Teil des Films wurde in Griechenland gedreht; in Regionen wie Messenien und Korinth, wo mehrere Szenen entstanden, rechnet die Branche mit zusätzlichem Zulauf. Der Tourismus, seit jeher eine Hauptstütze der hellenischen Wirtschaft, setzt damit seinen Aufwärtstrend fort.

Doch es ist nicht nur der Tourismus, der in Athen für Zuversicht sorgt. Griechenland hat sich wirtschaftlich so weit stabilisiert, dass der Staat erneut Schulden vorzeitig tilgen will: 13 Milliarden Euro sollen bis Jahresende zurückgezahlt werden, berichtet die Zeitung Kathimerini. Mitsotakis spricht von  einem „nationalen Erfolg“ und sagt: „Dies ist eine der bedeutendsten Errungenschaften der griechischen Männer und Frauen“. Es sei eine „optimistische Botschaft“ einer dynamischen Wirtschaft, die der Gesellschaft Perspektive und Hoffnung gebe.

Die Wirtschaft wächst 

Anfang Juni strich die EU-Kommission Griechenland nach 16 Jahren von ihrer Krisenliste. Das ist auch politisch ein Einschnitt: Zwischen 2010 und 2018 erhielt das Land Hilfspakete in Höhe von 289 Milliarden Euro. Am Höhepunkt der Schuldenkrise stand Athen 2015 kurz vor einem Ausscheiden aus dem Euro. 

Inzwischen wirkt diese Episode wie aus einer anderen Zeit. Die Wirtschaft wächst mit 1,8 Prozent schneller als in vielen anderen Euroländern, dazu kommen jährliche Budgetüberschüsse. Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Athen, Christoph Sturm, nennt als zentrale Faktoren sprudelnde Staatseinnahmen – auch, weil Steuerschlupflöcher geschlossen wurden – sowie Investitionen in Infrastruktur und Energieversorgung. Wichtige Impulse kamen zudem aus dem EU-Aufbaufonds „Next Generation“: Rund 30 Milliarden Euro flossen nach Griechenland.

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Die vorzeitige Schulden-Zurückzahlung hat drei Effekte: Die Zinskosten im Budget sinken um Hunderte Millionen Euro, die Bonität Griechenlands steigt, der Schuldenberg schrumpft.  Griechenland war mit Schulden von bis zu 189 Prozent jahrelang Europas „Schuldenkaiser“. Heuer sinkt die Schuldenquote auf 137 Prozent des BIP. Geht die Prognose auf, übernimmt Italien mit 138,5 Prozent den ungeliebten Spitzenplatz des am höchsten verschuldeten Landes Europas.

Das könnte  Mitsotakis im Wahlkampf helfen. Spätestens im Sommer 2027  wird gewählt. Umfragen sehen die Nea Dimokratia (ND) von Mitsotakis bei rund 30 Prozent – eine neuerliche absolute Mehrheit scheint momentan unerreichbar. Damit liegt die ND aber noch immer 14 Prozentpunkte vor der neuen „Griechischen Linken Allianz“ von Ex-Premier Alexis Tsipras.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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