
Der Dreierkoalition gehört er als SPÖ-Finanzminister an. Ab 2027 soll er statt Andreas Babler SPÖ-Vizekanzler werden. Wie es ihm gesundheitlich geht und warum die Neos für die Erbschaftssteuer sein müssten, erklärt Markus Marterbauer im KURIER-Interview in seinem Büro im Finanzministerium.
KURIER: Sie haben mehrfach betont, die Ärzte seien mit dem Heilungsverlauf ihrer Krebserkrankung zufrieden. Heißt das, dass sie zeitnah vollständig genesen sein werden?
Markus Marterbauer: Ich habe noch eine Chemotherapie vor mir. Dann gehe ich in eine Erhaltungstherapie, die bei Weitem nicht mehr so anstrengend sein wird. Momentan schaut alles gut aus.
Wer ist dafür verantwortlich, dass Sie während der Krebstherapie nun einer zusätzlichen Stresssituation als künftiger SPÖ-Vizekanzler ausgesetzt sind?
Der Zeitpunkt ist nicht von der SPÖ gewählt worden, sondern von der Ankündigung von Gerhard Zeiler, kandidieren zu wollen. Der Zeitpunkt war eher ungünstig – nicht zuletzt für mich. Deshalb habe ich mir auch ausbedungen, dass ich meinen Schwerpunkt auf das Gesundwerden und meine Rolle als Finanzminister legen werde.
Es wurde kolportiert, Andreas Babler und Teile der Gewerkschaft hätten Sie bekniet.
Ich habe weder das Amt des Finanzministers angestrebt noch das des Vizekanzlers. Der Vorschlag kam von Andi Babler und neun Landeschefs haben in der Sitzung, in der ich am Sonntag zugeschalten war, dafür gestimmt.
Spricht Loyalität aus Ihnen, das Bedürfnis, etwas für die Partei zu?
Der erste Teil ist: Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren gesehen, dass ich es kann und es mir Spaß macht. Der zweite Teil ist eher in der Rolle des Bürgers Marterbauer begründet. Wir sind wie die meisten europäischen Regierungen in einer schwierigen Situation, bedrängt von rechtsextremen Kräften. Ich bin der Meinung, dass jeder und jede die Verantwortung hat, unseren Sozialstaat und unsere Demokratie zu retten. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass die Rechtsextremen nicht an die Macht kommen und Herbert Kickl nie Kanzler wird. Den Beitrag leiste ich als Sachpolitiker.
Viele sagen, Sie gehen verantwortungslos mit sich und Ihrem Körper um.
Als ich die Diagnose bekommen habe, da war die Frage: Kann man das neben dem Job weitermachen oder nicht. Für mich war das Weiterarbeiten wesentlich im Umgang mit der Krankheit, weil mir der Job lustig ist und ich mit Herzblut dabei bin. Mir hat die Arbeit geholfen. Das muss jeder und jede für sich entscheiden. Ich wollte aber auch ein Zeichen setzen, dass man beides miteinander vereinbaren kann.
Um eine Analogie zu bemühen, nachdem Sie Bergsteiger sind: Die Etappe bis 2027 ist wie eine Wanderung am Kahlenberg, Großglockner, Kilimandscharo oder Everest?
Die Probleme, die Österreich hat, sind auf einem hohen Niveau. Wir haben ein viel zu hohes Budgetdefizit gehabt, eine viel zu hohe Inflationsrate und waren in der Klimapolitik nicht besonders gut. Aber wir sind eines der reichsten Länder der Welt und die Probleme sind bewältigbar. Also, ich würde sagen: Es ist anstrengendes, aber lustiges Bergsteigen auf Österreichs Dreitausendern. Jeder Gipfelsieg ist schön, wenn man zurückblicken kann auf das, was man erreicht hat.
Als Ökonom beherrschen Sie die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie 2027 Finanzminister, Vizekanzler und Parteivorsitzender sind?
Ich habe zugesagt, Vizekanzler zu werden. Allein, wenn man sich anschaut, wie …read more
Source:: Kurier.at – Politik



