Xanadu statt Samowar: Tschechows „Onkel Wanja“ begeistert im Bronski & Grünberg

Kultur

Seit zehn Jahren bringt die Off-Theater-Truppe Bronski & Grünberg ihre Versionen von Klassikern auf ihre kleine Bühne im neunten Wiener Bezirk. Das Konzept geht auf. Zum Jubiläum wurde „Onkel Wanja“ in Julia Edtmeiers „Sitcom“-Fassung wiederaufgenommen.

Wanja, von allen Wanni genannt, und Sonja, hier Sunny, leben in New York in einer abgewohnten, vollgestopften Mietwohnung. Im Zentrum prangt ein Sofa. Das Setting erinnert an amerikanische Fernseh-Serien wie „Eine schrecklich nette Familie“ oder „Alf“. Dessen Rolle übernimmt hier Tschechows verarmter Gutsbesitzer Telegin (Alex Kapl). Auch die Katze bringt er wie der Außerirdische im Fernsehen zum Kreischen.

Gerhard Kasal zeigt Wanja als eine Art sympathische, russisch-österreichische Ausgabe von Al Bundy. Er sitzt schon so lange auf seinem Platz, dass er nicht mehr aufstehen kann, wenn er es versucht, kracht es. Gesprochen wird mit russischem Akzent. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie das alle beherrschen.

Es mag schräg klingen, aber wenn alle zu Beginn über die Hitze klagen, wird man sofort in Tschechows Kosmos hineingesogen. Das ständige vor sich hin Seufzen, der Begleitsound zu den meisten Stücken dieses Autors, die Langeweile, mit der sich die Figuren herumschlagen und die ständige Sorge uns Geld, liefern die Grundlage für viele Pointen. Hier kommt man gut ohne Samowar aus. Auch nach einer tollen Tanzeinlage zu „Xanadu“ bleibt das Tschechow-Feeling.

David Oberkogler tritt als Doktor Astrow mit Tennis-Shorts und Dauergrinsen auf. Nicolas Hagg kehrt die Hinterhältigkeit des Hausbesitzers hervor. Edtmeier hat sich die Rolle der Sonja auf den Leib geschrieben. Sie changiert zwischen passionierter Hoffnung, dass der Arzt Astrow ihre Liebe erwidert und Comic-Artigen Heultiraden, wenn er sich der schönen Elena (Agnes Hausmann) zuwendet. Am Ende kriegt sie ihn doch, wenn auch nur kurz und ist enttäuscht. Wenn sie am Ende mit Wanja auf dem Sofa zur Jane Fondas Aerobic-Show im Fernsehen mitswingt, hat das etwas Berührendes. Viel Jubel für alle Beteiligten.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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