
Begeisterte Kinder, staunende Erwachsene. Was will man mehr von einer Aufführung für ein sehr junges Publikum?
Seit dieser Spielzeit ist Aslı Kışlal künstlerische Leiterin des Theaters der Jugend. Bei ihrer ersten Premiere demonstrierte sie eine Hand für starke Stoffe. Den Roman „Alle Kinder nach Kinderstadt“ von Renate Welsh ließ sie von Simon Windsich für das Haus in der Neubaugasse einrichten.
Brisanz
Der lässt die Brisanz der Geschichte aus den 1970er-Jahren in einer Art Orwell’schen Atmosphäre wirken. Ein Stadtrat will die Menschheit befrieden und ordnet mittels Roboter an, die Bewohnerinnen und Bewohner in homogenen Gruppen in eigenen Kleinstädten zu separieren. Es gibt eine Stadt für die Alten, eine für Fußballer, eine für Tennisspieler, eine für Kinder. Evas Großvater (Frank Engelhardt) ist entsetzt.
Doch es hilft nichts. Seine Eva (Lara-Luna Wojtkowiak), eine kleine, aufgeweckte Intellektuelle mit scharfem Verstand, muss nach Kinderstadt. Aus der belebten Stadt (eindrucksvoll von Rosa Wallbrecher mit bunten Schiebewänden dargestellt) ist ein öder, hell ummauerter Platz geworden. Alles funktioniert dort automatisch, auch die Ausgabe der Knödel.
Die Kinder toben sich aus, nur Eva nicht, sie hat erkannt, dass da etwas nicht stimmt. Bald kommt Langeweile auf. Manfred (Una Nowak), ein gewiefter Bub, sieht das als Chance, ernennt sich zum König und agiert wie ein Diktator.
Das funktioniert, weil alle mitmachen. Nur Eva leistet Widerstand. Sie hat bemerkt, dass sie eingesperrt sind. Als sich ein Spalt zum Lüften öffnet, versucht sie Kontakt mit ihrem Großvater aufzunehmen. Mit ihrem sechsten Sinn erkundet sie die anderen Städte und sieht, dass das Projekt gescheitert ist.
Applaus für Autorin
Manfred lässt sie verhaften. Am Ende gelingt es ihr, die anderen Kinder zur Flucht zu überreden. Sie graben einen Tunnel. Das sind bunte Nylonrohre, mit denen sie durchs Theater ziehen. Inzwischen sind die anderen, auch Evas Opa, in eigenen Blasen gefangen. Eva weiß, wie man diese aufbricht. Viel Applaus und Bravos für die heute 88-jährige Autorin Renate Welsh.
Source:: Kurier.at – Kultur



