
Von Fabio Tartarotti
Wer als Regionalfußballreporter nach Quellen wie Statistiken, Zeitmarken und Spielernamen sucht, der muss in der Recherche oft tiefer als bei der Bundesliga-Berichterstattung wühlen. Eine zentrale Ressource für diese Aufgabe sind Onlineticker wie der des Fußballmediums Ligaportal. Mitunter finden sich in den Tickern besondere Schmankerl – so auch dieses Wochenende beim Kellerduell der 1. Klasse Süd zwischen den sieglosen Mannschaften SV Güssing und FC Minihof-Liebau. Wir haben die Highlights abseits des Sportlichen für Sie zusammengefasst.
0. Minute: „Pilz Stefan und Niki wieder top fit nach schwerem Coronavirus, es pfeift!“
Eine detailliertere Vorberichterstattung ist kaum vorstellbar. Als Leser ist man bereits jetzt investiert.
1. Minute: „Schiedsrichter Molner, normalerweise ein Güssing-Freund, pfeift heute die Partie. Linienrichter gibt es keinen, wir sind gespannt.“
Verhältnisse wie diese sind im Unterhaus keine Seltenheit. Linienrichter zählen als Luxusgut – neutrale Tickerreporter auch.
10. Minute: „Die Nr. 8 von Güssing hat schon Seitenstechen.“
Bereits die zweite scharfe medizinische Analyse – könnte es sich beim Reporter um einen ärztlichen Fachmann handeln?
26. Minute: „Schiedsrichter sagt den Zuschauern, dass sie selber pfeifen sollen.“
Auch das gehört im Südburgenland dazu. Wer hier im Unterhaus Spiele leiten will, braucht Nerven aus Stahl.
Zum folgenden Tickereintrag fehlt davor und danach jeglicher Bezug. Man darf jedenfalls annehmen, dass der Reporter seine Zeit am Minihofer Sportplatz genoss.
82. Minute: „Die roten Marlboro und das Bier sind ausgezeichnet.“
Auch Spielerakquise wird im Ticker betrieben.
87. Minute: „Mühlgraben sucht noch Reservespieler für morgen, bei Interesse bitte bei Jud Flo melden.“
Hierbei dürfte es sich um den Verein sowie Namen des Tickernden handeln.
Nach 90 Minuten triumphierte jedenfalls Absteiger Güssing mit 3:2 und holte dadurch die ersten drei Punkte der Saison. Minihof-Liebau bewirbt sich in einer Saison zum vergessen um den Titel „Schlechtestes Team des Burgenlands“. Punktlos und mit einer Tordifferenz von -63 schwindet langsam die Hoffnung auf einen Sieg.
Source:: Kurier.at – Sport



