
28 Jahre lang war Österreich bei keiner Weltmeisterschaft dabei. Im Fußball ist das keine halbe Ewigkeit, sondern eine ganze. Zehn der 26 österreichischen Teamspieler im WM-Kader waren noch nicht einmal auf der Welt, als Österreich bei der WM 1998 mit einem 1:1 gegen Kamerun ins Turnier startete, gegen Chile wieder 1:1 spielte und nach einem 1:2 gegen Italien schließlich ausschied.
Marko Arnautovic war neun und David Alaba sechs Jahre alt, als sich Österreichs zuvor eingeschworenes Team in Frankreich in Gruppen auflöste und zerstritten wieder heimfliegen musste.
28 Jahre später steht Österreich vor einer ähnlichen Ausgangslage. Als Gruppensieger hat man sich qualifiziert. Man hat eine eingeschworene Truppe und wie 1998 zwei Persönlichkeiten, die herausragen aus dem Kollektiv, aber aktuell nicht mehr ganz in der besten Verfassung ihrer großen Karriere sind.
Es ist vieles wie 1998 – nur die Namen haben sich geändert. Ralf Rangnick steht vor Kamerun – pardon, vor Jordanien. Am Mittwoch (6 Uhr MESZ, live ORF 1) ist es in Santa Clara so weit. Und er steht vor derselben Frage, die Herbert Prohaska 1998 beantworten musste: Soll er jene spielen lassen, die die größten Verdienste vorweisen können – oder doch jene, die gerade in Form sind?
Thema im Teamcamp
„Das war tatsächlich in den letzten Tagen Thema“, sagte Rangnick, der erzählte, dass er diesbezüglich auch Einzelgespräche geführt hat. Der Teamchef ist im Bilde. Loyalität oder Form? „Wir werden versuchen, sowohl das eine als auch das andere zu berücksichtigen.“
Fakt ist: David Alaba ist seit Jahren Kapitän und das Gesicht dieser Mannschaft. Es ist seine erste WM-Teilnahme, mit 33. Im letzten WM-Test musste er zur Pause vom Platz. Für ihn kam Marco Friedl und bewährte sich.
Marko Arnautovic, 37, war gegen Tunesien ebenso in der Startelf. Kalajdzic ersetzte ihn zur Pause und war besser. Genau das hat auch Rangnick registriert. „Einige Karten sind neu gemischt“, sagte der Deutsche, ohne Namen zu nennen.
Herzogs Verdienste
Herzog war 1998 der Kapitän, der das Team in der Qualifikation angeführt hatte und mit zwei Siegestoren gegen Schweden vieles ermöglicht hatte. Bei der WM aber war der Regisseur mit einer Zehenverletzung weit von seiner Form entfernt. Prohaska hielt ihm die Stange, das Ergebnis ist bekannt.
Was aber macht Rangnick? Seine Aussage klingt nach Konsequenz. Am Samstag legte er nach. „Wir schauen in erster Linie, wer wie in Form ist. Wir werden keine Dankbarkeitsentscheidungen treffen. Es geht darum, mit welchen Spielern wir das Spiel erfolgreich bestreiten.“
Die Spieler kennen die Aufstellung für das Spiel gegen Jordanien seit Samstag. Die Öffentlichkeit wir es eine Stunde vor dem Anpfiff erfahren.
Spekulationen
Bis dahin kann man spekulieren. Aufschlüsse gab es in Santa Barabara kaum. Schon seit einer Woche wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.
Was man weiß: Arnautovic hat an der Westküste zwei Trainingseinheiten verpasst, Alaba sogar drei. Beim internen Testspiel über drei Mal 15 Minuten am Mittwoch seien aber beide dabei gewesen, heißt es.
Was macht Rangnick?
Rangnicks Optionen: Alaba spielt, weil er der Kapitän ist und vielleicht fit genug und damit mit seiner Ausstrahlung auf dem Platz eine Klasse für sich. Arnautovic spielt, weil er Arnautovic ist – einer, der in Testspielen, wie …read more
Source:: Kurier.at – Sport



