Entsorger schlagen Alarm: Müllverbrennung in Österreich ist am Limit

Wirtschaft

Was früher als Abfall galt, wird zunehmend als Ressource wahrgenommen. Die gesellschaftliche Relevanz von Entsorgungsunternehmen sollte dadurch steigen. Die wirtschaftliche Lage hingegen ist weiterhin schwierig. Einerseits schwächelt der für Abfallströme wichtige Bausektor, andererseits ist die Branche in ein verwirrendes Geflecht aus geopolitischen und klimaschutztechnischen Vorgaben verwickelt.

Weniger Bauaktivität bedeutet weniger Abfall

„Konsumabfälle bleiben stabil. Das ist ein Pfeiler, der die Branche stützt. Aber die Abfallmengen aus der Industrie sind verringert und damit auch unsere Umsätze“, sagt Thomas Kaspar, Obmann des Fachverbands Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der Wirtschaftskammer. Rund drei Viertel aller Abfälle in Österreich stammen aus dem Bausektor.

Herausfordernd für die Branche sei aber auch, dass sich rechtliche Rahmenbedingungen stets ändern. „Das ist sehr stark EU-getrieben“, sagt Petra Wieser, Geschäftsführerin des Fachverbands. Die Harmonisierung von Regelungen in den Mitgliedsstaaten sei aber oft mangelhaft. Und in Österreich seien die Regeln besonders streng. Hier werden etwa viele Stoffe als gefährliche Abfälle eingestuft. Sie dürfen nicht recycelt werden, ein Export erfordert komplexe Genehmigungsverfahren. Einziger Ausweg ist die Müllverbrennung, und die arbeitet offenbar am Anschlag.

Kapazitäten für mehr Müllverbrennung fehlen

Als die Müllverbrennungsanlage Dürnrohr im Herbst 2024 wegen Hochwasser wochenlang ausfiel, sei dies „wie ein Herzinfarkt für die österreichische Abfallwirtschaft“ gewesen, schildert Kaspar. Man habe versucht, Abfälle zu anderen Müllverbrennungsanlagen zu transportieren, diese konnten aber kaum mehr Mengen annehmen, weil sie bereits stark ausgelastet waren. Sie sind es bis heute, und mehr Anlagen werden nicht gebaut. Private Investoren fänden sich nicht. Aufwendige Genehmigungsverfahren, hohes Risiko und hohe Kosten schrecken selbst öffentliche Betreiber ab.

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„Man könnte ja annehmen, dass weniger Müll verbrannt wird, weil mehr recycelt werden muss, aber tatsächlich gibt es auch gegenläufige Entwicklungen“, so Wieser. Pro Kopf sinken Restmüllmengen zwar, durch das Bevölkerungswachstum steigen sie insgesamt aber. Man sei besorgt, dass die Kapazitäten nicht ausreichen und mehr Müll anfällt, als verbrannt werden kann. Selbst wenn Müll leichter ins europäische Ausland transportiert werden könnte, sei keine Erleichterung zu erwarten. Dort herrsche dasselbe Problem.

Preise für Recycling hoch, Abnehmer fehlen

Recycling sei mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert. Einerseits sind die Preise für rezyklierte Rohstoffe oftmals höher als Primärrohstoffe. Wenn regulatorische Vorteile fehlen, zahle sich die Wiederaufbereitung kaum aus. Für Unternehmen ist es maßgeblich, verlässliche Partner zu finden. „Recycling ist schön und gut, aber um Kreisläufe zu schließen, brauchen wir Abnehmer“, sagt Wieser.

Andererseits überlegt die EU aus strategischen Gründen Exportverbote für bestimmte Materialien, etwa Aluminium. Nicht alle Schrotte, vor allem solche von minderer Qualität, können aber in Europa verarbeitet werden. „Man braucht sehr spezifische Anlagen für bestimmte Abfälle. Materialien am europäischen Markt zu halten, ist nachvollziehbar. Und es ist grundsätzlich gut, dass Interesse an Sekundärmaterialien herrscht, aber das sind einseitige und zu kurzsichtige Eingriffe“, kritisiert Wieser.

Wie soll man Textilien recyceln?

Auch andere EU-Regeln sieht der Fachverband kritisch. Seit Juli gilt etwa ein Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe. Dazu gebe es noch „große Fragezeichen“. Das Recycling von Textilien ist aufgrund von Materialmischungen meist sehr schwierig. Gelingt es für bestimmte Stoffe, besteht die Frage, wer die Rezyklate abnehmen soll, denn produziert werden Kleidung und Schuhe meist in Asien. Zum Thema Textilrecycling laufen derzeit noch viele Forschungsprojekte, schildert …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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