
Die österreichische Wirtschaft atmet scheinbar auf: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 2.005 Firmeninsolvenzen eröffnet – ein Rückgang von 7,69 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach drei Jahren mit Rekordpleitenzahlen scheint sich die Lage zu stabilisieren. Doch der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) schlägt Alarm: Hinter den Zahlen verbirgt sich eine besorgniserregende Entwicklung.
Während die Zahl eröffneter Insolvenzverfahren sinkt, explodieren die Abweisungen mangels Masse: 1.654 Insolvenzanträge wurden im ersten Halbjahr abgelehnt – ein Plus von 15,42 Prozent. Der Grund: Bei diesen Unternehmen lagen nicht einmal die erforderlichen 4.000 Euro Vermögen vor, um überhaupt ein formelles Insolvenzverfahren einzuleiten. „Diese Firmen sind zu pleite für die Pleite“, so die Experten.
Rechnet man die Abweisungen mit ein, liegen die Gesamtinsolvenzen mit 3.659 Fällen sogar um 1,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Wöchentlich gingen im ersten Halbjahr 77 Unternehmen in Österreich pleite. Im Monatsdurchschnitt waren es 334 Verfahren – nur geringfügig weniger als in den Rekordjahren 2024 und 2025.
Sanierungen werden seltener
Besonders alarmierend: Die Sanierungsquote bricht ein. Nur noch 20,95 Prozent der abgeschlossenen Verfahren endeten mit einem Sanierungsplan – im Vorjahr waren es noch knapp 26 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Verfahren mit Nullquote, bei denen die Gläubiger leer ausgehen, von 27,49 auf 33,02 Prozent.
„Unternehmungen fehlen zunehmend die Mittel für eine Weiterführung und die Finanzierung eines Sanierungsplans“, heißt es in der AKV-Analyse. Ein dramatischer Befund für ein Land, das sich bisher mit weltweit unerreichten Sanierungsquoten rühmte.
Mehr als die Hälfte (57,11 Prozent) der Firmeninsolvenzen wurden über Gläubigeranträge eröffnet – ein Indiz dafür, dass Unternehmer ihre gesetzliche Antragspflicht zunehmend ignorieren.
Immobilienkrise voerst ebbt ab
Die Gesamtpassiva der Firmeninsolvenzen sanken um 39,46 Prozent auf 4,64 Milliarden Euro. Nach dem Zusammenbruch zahlreicher Immobilienkonzerne wie zum Beispiel der Signa-Gruppe in den Vorjahren – mit Rekordpassiva von bis zu 22,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 – hat sich die Lage bei den großen Pleiten entspannt.
Größte Insolvenz im ersten Halbjahr war die Laura Privatstiftung mit angemeldeten Forderungen von 1,7 Milliarden Euro, wobei bisher nur rund 32 Millionen Euro anerkannt wurden. Weitere Großpleiten: die Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH (320 Millionen Euro) und die LL-resources GmbH (130,7 Millionen Euro), die noch um einen Sanierungsplan kämpft.
8.000 Arbeitsplätze gefährdet
7.951 Arbeitnehmer waren bei Insolvenzeröffnung in den betroffenen Betrieben beschäftigt – ein Anstieg um 5,09 Prozent. Die meisten Arbeitsplätze standen bei der WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. GmbH (361 Mitarbeiter) und der EITEK GmbH (319) auf dem Spiel.
Am härtesten traf es das Baugewerbe mit 471 Insolvenzen, gefolgt vom Handel (460) und der Gastronomie (368). Die höchsten Verbindlichkeiten verzeichneten jedoch Finanzdienstleister (1,92 Milliarden Euro) und Immobilienfirmen (837,73 Millionen Euro)
Die Entwicklung verläuft regional höchst unterschiedlich. Bei Firmeninsolvenzen verzeichnete Tirol den stärksten Rückgang (-29,32 Prozent), während Vorarlberg einen dramatischen Anstieg um 51,11 Prozent erlebte. Auch die Steiermark (+12,79 Prozent) liegt deutlich über dem Bundesschnitt.
Der AKV rechnet mit keiner schnellen Trendwende. Für das Gesamtjahr 2026 werden rund 4.000 eröffnete Firmeninsolvenzen erwartet – ein leichter Rückgang. Doch inklusive der Abweisungen mangels Masse dürften die Gesamtinsolvenzen auf mehr als 7.300 Fälle steigen – mehr als im Vorjahr.
Privatinsolvenzen: Die zweite Welle rollt
Auf dem Privatkonkurssektor rollt eine neue Welle heran. Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



