Jede zwölfte berufliche Mail-Adresse landet auf Porno- oder Datingseiten

Wirtschaft

Mehr als 1.000 Datenlecks der vergangenen 20 Jahre hat die auf Cyberrisiken spezialisierte Wiener Firma Risikomonitor untersucht. Dabei ist man auf rund 1,1 Millionen betriebliche E-Mail-Adressen aus Österreich gestoßen. 93.308 davon oder jede zwölfte der im Darknet, dem dunklen Teil des Internets, angebotenen Firmen-Mail-Adressen wurden zur Anmeldung bei Porno- oder Datingplattformen genutzt.

Eine berufliche Mail-Adresse könne anders als eine private eindeutig einem Arbeitgeber zugeordnet werden, warnt Risikomonitor-Geschäftsführer Manuel Löw-Beer. Sie könne so auch zum Einfallstor für Cyberangriffe genutzt werden. Weil die Leaks meist auch Passwörter zu den Mail-Adressen umfassen und Nutzer häufig dasselbe oder nur leicht abgewandelte Kennwörter verwenden, könne auch das Eindringen in Firmensysteme dadurch erleichtert werden. 

Anfällig für Erpressung

Die Kombination aus Name, Firma und Adult-Plattform sei darüber hinaus Grundausstattung von Erpressungsversuchen, sagt Löw-Beer.

Die meisten österreichischen Firmen-Mail-Adressen fanden sich in Datenlecks der auf die Vermittlung sexueller Kontakte spezialisierten Plattform Adultfriendfinder. Auf den Plätzen folgen die Datingseiten Badoo, Zoosk und Fling sowie die auf Erwachsenenunterhaltung fokussierten Angebote Stripchat und Tnaflix. Auf den vorderen Rängen finden sich auch xHamster, Prostoporno, KinkyDollars oder LordsOfPorno. 

17 Prozent der betroffenen Firmen-Mail-Adressen waren auf mehreren Dating- oder Adult-Angeboten registriert. 322 davon sogar auf vier oder mehr. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen beträgt laut der Untersuchung bei pornografischen Websites 33:1. Bei Mainstream-Dating-Plattformen ist es mit 57:43 hingegen weit ausgeglichener.

Auch Vorstände darunter

Unter den bei der Analyse gefundenen mehr als 1,1 Mio. betrieblichen E-Mail-Adressen fanden sich auch etwas mehr als 1.800 von Vorständen, Geschäftsführern und Aufsichtsräten, die im österreichischen Firmenbuch verzeichnet sind. In Datenlecks von Adult- oder Datingseiten waren es immerhin drei. Die Zahl ist zwar gering. 

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Auf Vorstandsebene könne sich das dennoch zum Unternehmensrisiko auswachsen, sagt Löw-Beer. Ein einziger öffentlich bekannt gewordener Fall genüge, um die Reputation zu beschädigen. Für Geschäftsführer bestehe auch ein Haftungsrisiko, warnt Löw-Beer. Denn sie sind dafür verantwortlich, dass gesetzliche Vorgaben zur Cybersicherheit erfüllt werden. 

Oft nicht geregelt

Wie sieht die rechtliche Lage für Arbeitnehmer aus? Die private Nutzung betrieblicher E-Mail-Adressen könne vom Arbeitgeber untersagt werden, sagt Jasmin Haindl, Arbeitsrechtsexpertin bei der Arbeiterkammer Wien. In vielen Betrieben gebe es dazu Betriebsvereinbarungen, in manchen gebe der Arbeitgeber Leitlinien vor. Es gebe aber auch Betriebe, in denen die Nutzung gar nicht geregelt sei. Grundsätzlich sei die betriebliche Mail-Adresse für die betriebliche Kommunikation gedacht, sagt Haindl. 

Sie sei nicht anders zu sehen als andere Betriebsmittel, die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, etwa Laptops. Auch da könne man nicht davon ausgehen, dass er privat uneingeschränkt genutzt werden könne: „Es macht Sinn, Berufliches von Privatem zu trennen“, sagt Haindl. Im schlimmsten Fall könne die missbräuchliche Verwendung der Firmen-Mail-Adresse zur fristlosen Entlassung und auch zu Schadenersatzforderungen führen. 

Sicherheitsexperte Löw-Beer rät Firmen zu Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung. In den Ergebnissen der Untersuchung sieht er weniger einen Befund über die Beschäftigten, sondern einen über die Compliance-Systeme in Unternehmen. 

Warum werden dienstliche Mail-Adressen überhaupt zur Anmeldung bei Dating-Seiten genutzt? Private Adressen könnten häufig über gemeinsam genutzte Computer oder Tablets auch von Familienangehörigen eingesehen werden, meint Löw-Beer. Der Firmen-Account sei mitunter der einzige Posteingang, in den der Partner nicht schaut.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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