Die Stimmung am Flughafen Wien kippt. Auf dem Monitor blinkt „Boarding“ in Grün, doch die Menschentraube am Gate schrumpft nicht. Im Gegenteil, sie verdichtet sich, wird unruhiger. Eine Mitarbeiterin des Bodenpersonals fordert alle Passagiere auf, ihr Handgepäck in ein Metallgestell zu platzieren. Nur Reisende mit kleinen Hartschalenkoffern und besserem Tarif dürfen passieren. Für alle anderen zählt jetzt jeder Zentimeter. Es genügt ein Rad, das übersteht. Ein leeres Außenfach, ein Koffergriff. Passt das Gepäckstück nicht vollständig in den Rahmen, zeigt die Mitarbeiterin wortlos zum Schalter. Dort haben Reisende die Wahl: zahlen oder nicht mitfliegen.
Die Pönale kann pro Strecke mehr als hundert Euro ausmachen. Die wenigsten geben sich ohne Diskussion geschlagen, doch am Ende zücken sie die Kreditkarte. Geld später zurückfordern, gilt bisher als aussichtslos. Das könnte sich bald ändern.
Hohe Kerosinpreise und Standortkosten: Fluggesellschaften müssen neu kalkulieren
Explodierende Treibstoffpreise setzen Europas Airlines aktuell unter Druck. In Österreich klagen Fluggesellschaften zusätzlich über hohe Standortkosten. Erst diesen Dienstag fordert Ryanair-Chef Michael O’Leary in einem Pressetermin in Wien, die „unsinnige Luftverkehrssteuer“ abzuschaffen und Flughafenentgelte sowie „überhöhte Flugsicherungsgebühren“ zu reduzieren. Circa 24 Euro Steuern und Gebühren würden Airlines, die hierzulande abheben, pro Passagier bezahlen, erklärt Austrian-Airlines-Chefin Annette Mann kürzlich dem KURIER. Der europäische Schnitt liege bei 13 Euro. Fluggesellschaften prüfen genau, wie sich das Geschäft noch rechnet. Sie ziehen Flieger vom Standort Wien ab, schrauben an Tarifen. Die Vermutung liegt nahe, dass auch die verschärften Handgepäckkontrollen eine weitere Einnahmequelle sind.
Die Fluggesellschaften dementieren das selbstverständlich: „Wir zahlen zwar Provisionen an unsere Mitarbeiter, die übergroßes Gepäck identifizieren und Gebühren dafür erheben, doch diese Gebühren werden von weniger als 0,1 Prozent der Passagiere getragen, die sich nicht an unsere vereinbarten Gepäckregeln halten“, teilt Ryanair auf Anfrage mit. Stattdessen strebt die Fluglinie an, „das Problem der übergroßen Gepäckstücke zu beseitigen, die das Boarding verzögern“. Auch die Austrian Airlines (AUA) haben das Handgepäck aus diesem Grund ins Visier genommen. Doch nicht nur.
Am 19. Mai startete die AUA den „Economy Basic“-Tarif. Er soll sich dem „modernen Reiseverhalten“ der Kunden anpassen und die Wettbewerbsfähigkeit bei Einstiegspreisen stärken. Konzipiert sei der Tarif für Fluggäste mit „sehr leichtem Gepäck“. Konkret heißt das: Die kostenfreie Mitnahme eines kleinen Kabinenkoffers ist gestrichen. Lediglich ein persönlicher Gegenstand darf mitgeführt werden. Die maximale Größe: 40 x 30 x 15 Zentimeter. Ein Maß, das laut AUA „sehr genau kontrolliert“ wird – und das zur teuren Stolperfalle für Passagiere werden kann.
Früher hat man sich als Passagier überhaupt keine Gedanken gemacht. Jetzt muss man selbst Abmessungen durchführen oder extra Handgepäckstücke kaufen, um die Vorgaben zu erfüllen.
Gabriele Zgubic, Abteilungsleiterin Konsumentenpolitik der AK Wien
Zentimeter-Dschungel: Jede Airline gibt ihr eigenes Maß vor
Die Anzahl der Beschwerden zu Airline-Gebühren beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) sind „generell auf hohem Niveau, speziell in Hinblick auf Handgepäckgebühren“, teilt Petra Leupold, Leiterin Recht beim VKI mit. „Wir sehen bei Airlines einen bunten Strauß an unterschiedlichen Vorgaben, es gibt unterschiedliche Zusatzgebühren für unterschiedliche Handgepäckgrößen.“ (siehe Grafik unten)
Ein Beispiel: Eurowings erlaubt beim persönlichen Gegenstand, der unter dem Vordersitz verstaut werden muss, die Maße 40 x 30 x 25, Easyjet setzt auf …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



