Ostrowski zu Song-Contest-Kritik: „Manche wollen hinhauen“

Kultur

Gemeinsam mit Victoria Swarovski war Michael Ostrowski das heimische Gesicht des 70. Eurovision Song Contest von Wien. Das Moderationsduo wurde dabei international bisweilen heftig kritisiert. Im Gespräch mit der APA blickt der 53-jährige Komödiant nun auf seine Zeit im Ausnahmezustand zurück. Er spricht über das Feedback auf seinen Einsatz, das Arbeiten im engen Zeitkorsett und die Aufregungsmechanismen der Medien.

Der ESC ist geschlagen. Was bleibt für Sie persönlich von einer Woche völligen Ausnahmezustands?

Michael Ostrowski: Erleichterung und Freude. Es war ja nicht nur diese eine Woche, es waren viele Wochen der Vorbereitung. Wir haben Lieder im Studio eingesungen, ein Video zu „Wasted Boat“ gedreht und viele Presse- und Fototermine wahrgenommen. Dazu kamen noch Promodrehs, Drehbuchbesprechungen, Proben zu den Choreografien, Stage-Rehearsals für Kamera und Licht und vieles mehr.

Und die letzte Woche war dann der wahre Irrsinn: Wir haben alle drei Shows viermal gemacht, das heißt zwölf Shows in sechs Tagen, neun davon vor 10.000 Leuten in der Stadthalle. Wir waren alle am Rande unserer Kapazität, nicht nur wir als Moderation, sondern das gesamte ESC-Team rundherum. Ich bin auf diese Bühne gegangen und hab von der ersten Minute an gewusst, dass das reine Moderieren lässig sein wird. Das ganze Drumherum war der Wahnsinn. Bei mir ist dann nach dem ersten Semifinale ein gewisser Druck abgefallen. Ich hab gespürt, dass es funktioniert. Das Feedback in der Halle war sensationell, und ich hab viele positive Rückmeldungen bekommen, auch von Menschen, von denen ich nicht mal wusste, dass sie meine Telefonnummer haben.

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Auf welche unerwarteten Momente mussten Sie während der Shows reagieren?

Wir haben bis zuletzt unsere Moderationstexte verändert, weil wir sie an die Bühnenumbauzeiten anpassen mussten. „Da brauchen wir 20 Sekunden mehr Text, damit sich das ausgeht“ – solche Dinge. Wir sind noch am Tag des Grand Final von 18 bis 19 Uhr bei der Victoria in der Garderobe gesessen und haben mit unserem Showautor Gregor Barcal an den Texten rumgetan. An sich taugt mir ja das Schnelle, Improvisierte, ich bin lieber frei beim Moderieren und schau, was im Moment passiert. Aber das ist beim ESC quasi unmöglich, weil Moderatoren aus 35 Ländern wissen wollen, was wir da gerade sagen, damit sie’s in ihre Landessprachen übersetzen können.

Wie ging es Ihnen retrospektiv nun konkret mit dem engen Korsett einer durchgescripteten Sendung?

An sich ist der Song Contest ja eine Art Amalgam: Von der EBU vorgegebene Texte zum Voting, zum Ablauf, zu den Acts vermischen sich mit neu inszenierten Showblocks und eigenen Überleitungstexten. Der Ablauf der Shows war mehr oder weniger fixiert, als wir dazu geholt wurden. Als Moderator kann man sich da nur in sehr begrenztem Rahmen einbringen.

Normalerweise schreibe ich mir meine Moderationen auch selber, in diesem Fall war schon sehr viel vorgegeben, und ich habe versucht, die Texte so zu adaptieren bzw. umzuschreiben, dass es für mich passt. In diesem Prozess wurde uns schon immer wieder nahegelegt, was alles nicht geht, weil man niemanden beleidigen soll und es eine Familiensendung ist.

Ich habe daher auch nach Wegen gesucht, dem Ganzen außerhalb der reinen Moderationstexte eine eigene Note zu verleihen, habe …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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