
Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.
„Die Affäre Weißmann ist um eine Episode reicher“, sagte ServusTV-Gastgeber Michael Fleischhacker zu Beginn. Denn die Wochenzeitung Falter habe intime Ausschnitte aus den Chats von Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und der betroffenen Frau veröffentlicht.
Um den Soap-Charakter des Ganzen zu unterstreichen, wurde eine Chronologie der Ereignisse eingespielt, die wie in einer Serie in Episoden aufgeteilt war.
„Weißmann-Chats: Pranger oder Privatsache?“ lautete der Sendungstitel von „Talk im Hangar-7“. Da ist offenbar die Lust nach Alliterationen mit der ServusTV-Redaktion durchgegangen. Denn sowohl „Pranger“ und „Privatsache“ unterstellen dem Falter ein unlauteres Vorgehen und stellen somit keinen Gegensatz dar.
Im Talk konnte aber Falter-Journalistin Barbara Tóth ausführlich darlegen – so sie nicht von einem bestimmten Teilnehmer unterbrochen wurde -, warum die nämlichen Chats einschließlich Beschreibungen von „Dick Pics“ aus der Sicht ihrer Zeitung im öffentlichen Interesse liegen. Sie sagte etwa: „Wir haben uns die geltende Rechtslage und die Judikatur sehr genau angeschaut und sind zum Entschluss gekommen, dass es in diesem speziellen Fall gerechtfertigt ist, die Chats wortwörtlich zu veröffentlichen.“ Zentrales Argument: „Der ORF gehört uns allen. Wir sind alle Beitragszahler, wir finanzieren ihn mit, und wir haben ein Recht zu erfahren, was wirklich passiert ist.“
Zudem gehe es mit den vom Weißmann-Lager genannten 3,9 Millionen Euro um ein Klagsvolumen, das ebenso die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler belasten könnte.
„Klare Rechtsverletzung“
Weißmann-Anwalt Oliver Scherbaum sieht hingegen eine „ganz klare Rechtsverletzung. Warum? Weil es überhaupt keinen Erkenntnisgewinn für die Sache bringt.“ Und auch Personen des öffentlichen Interesses hätten ein Recht auf Schutz des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Es sei „keineswegs ein vollständiger Sachverhalt“ abgedruckt worden, „sondern das ist eine einseitige Darstellung“. Es würden immer die Nachrichten von Weißmann „groß posaunt werden, aber die Antworten nicht.“ Weißmann habe die Kommunikation als „einvernehmlich“ bezeichnet, sagt Scherbaum, der Medienjurist zieht die Formulierung „nicht unerwünscht“ vor.
Er kenne den ganzen Chatverlauf, so auch die Compliance-Stelle des ORF, die „keine sexuelle Belästigung“ festgestellt habe. Tóth kritisierte im Lauf der Sendung, dass das Vorgehen des ORF und der Compliance-Stelle von der Gleichbehandlungsanwaltschaft gerügt worden sei, sich darauf noch zu beziehen, finde sie „erstaunlich“.
Fleischhacker wies darauf hin, dass aber manche Nachrichten Weißmanns „das Eingeständnis beinhalten, dass er weiß, dass er sie bedrängt“.
Darauf antwortete Scherbaum, dass man auf Basis von „Fragmenten“ eine Kommunikation nicht beurteilen könne.
„Sie wollte nur Freundschaft“
Der Anwalt brachte sogar ein konkretes Beispiel: Auf ein spezielles „Bildchen“ habe die Antwort gelautet: „Rolilein, ruf mich an.“ In Richtung Tóth sagte er: „Sie können mir nicht erklären, dass das jemand macht, der sich belästigt fühlt.“
Tóth ergänzte noch eine zweite Reaktion („Na bumm“), argumentierte aber, dass sich Unmengen an Antworten finden würden, in denen die Frau „rote Linien“ ziehe. Und was sich für sie durch den gesamten Chat dieser rund vier Jahre ziehe: „Er will mehr als nur eine Freundschaft, sie will nur eine Freundschaft.“
Sehr rasch war man also bei der Beurteilung der Chats selbst gelandet. Tóth nannte noch ein weiteres Argument für deren Veröffentlichung.
Weißmann selbst habe im Rahmen einer Medienoffensive in einem Hintergrundgespräch und in Zeitungsinterviews seine Sicht der Dinge dargestellt und sogar gemeint: „Fragen Sie die …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



