
Seit über einer Woche läuft auf dem Zweitcomputerbildschirm die Rettungsaktion von Timmy, dem gestrandeten Wal in der Ostsee. Donnerstag Nachmittag habe ich die Beobachtungen beendet. Übertragung aus, Live-Stream Ende. Nach über einer Woche überwiegen Unverständnis und Betroffenheit: Warum schafft es das große, fähige Deutschland nicht, diesen Wal zu retten? Ihn einfach abzutransportieren?
Nun, es ist sicher schwierig: zwölf Tonnen, zwölf Meter, liegt in seichtem Gewässer, bewegt sich, ist (noch) lebendig. Aber die Schwierigkeit des Unterfangens trifft hier offenbar auf noch viel größere, strukturelle Probleme. Einen Bürokratie-Wahnsinn, wenn etwa eine extra aus Hawaii eingeflogenen Tierärztin auf die Lizenz zum Praktizieren warten muss. Chaos, Uneinigkeit und Streit im Team, sodass Helfer aufgeben. Eine sichtbare Planlosigkeit. Zu viel Hin und Her. Die fehlende stringente Führung, die vorgibt, was in der akuten Krise zu tun ist. Und schlechte Kommunikation, weil zu oft Informationen ausgerichtet werden.
Man bekommt den Eindruck: Diese Geschichte ist ein Abbild des Zustands Deutschlands. Es wird herumgedoktert, diskutiert, die Zeit vergeht, dem Wal geht die Luft aus. Statt anzupacken, furchtlos und präzise die Sache zu erledigen. Es einfach zu machen. Deutschland eiert herum, das ist eine Tragödie weit über diesen Wal hinaus.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



