
Die Fußballweltmeisterschaft startet bekanntlich am 11. Juni – mit dem Spiel Mexiko gegen Südafrika. Einen Monat davor beginnt erfahrungsgemäß das Panini-Fieber epidemisch zu werden. Doch schon jetzt ist es in der Josefstadt ausgebrochen. Wiewohl Herbert Föttinger sein letztes Spiel erst am 30. Juni bestreitet: als Lorenzo da Ponte in der allerletzten Vorstellung von Peter Turrinis „Was für ein schönes Ende“. Denn er lässt seit kurzem sein treues Publikum Panini-Pickerl kleben – in ein ganz spezielles Hochglanzheft, schlicht „06 – 26“ betitelt.
Herbert Föttinger hat die Josefstadt 20 Jahre lang geleitet und damit um ein Drittel länger als Claus Peymann das Burgtheater (von 1986 bis 1999). Und doch widerstand er der Versuchung, dessen zweibändiges Resümee „Weltkomödie Österreich“ mit 1.352 Seiten zu übertrumpfen: Sein Panini-Album hat gerade einmal deren 20 (inklusive Umschlag). Es ist also das glatte Gegenteil von Peymanns prahlerischem Rechenschaftsbericht. Wiewohl ja doch ziemlich viel Faktisches vorhanden wäre. Immerhin gab es in den letzten zwei Jahrzehnten unter Föttinger 288 Premieren, darunter 70 Uraufführungen.
Ein „Paniniheft“ über ein Theater: Das hätte es noch nie gegeben, liest man auf der Website der Josefstadt. „Wer Sticker sammelt und einklebt, lässt die letzten 20 Jahre Theatergeschichte Stück für Stück lebendig werden – Szene für Szene, Abend für Abend, Erinnerung für Erinnerung. Am Ende halten Sie kein gewöhnliches Programmheft in Händen, sondern: ein komplettes Sammelalbum, eine limitierte Erinnerung, ein exklusives Stück Theatergeschichte zum Mitnehmen.“
Die Fantasie ging sogleich mit Ihrem Tratschpartner durch: Er stellte sich vor, dass sich betagte Damen und Herren in den Sträußelsälen zu Tauschnachmittagen treffen würden. Für eine seltene Nentwich mit Goldrand müssten mindestens zwei Jonassons geboten werden – zum Beispiel. Oder für einen Schenk mit Lohner der komplette Föttinger-Satz.
Doch leider: Die Briefchen, um je einen Euro erhältlich, beinhalten keine Doubletten oder Enttäuschungen. Denn sie ergänzen sich. Für ein volles Album (mit 50 Pickerln) braucht es lediglich die fünf von A bis E gekennzeichneten Sets. Ein besonderer Spaß ist das Panini-Album (um 8 Euro mit Starter-Kit) trotzdem. Auch deshalb, weil es so gar nicht zur altehrwürdigen Tante Josefstadt passt. Aber dafür zum Neffen Herbert.
Stück für Stück, Szene für Szene, Abend für Abend: Das ist natürlich eine glatte Marketing-Übertreibung. Denn es gibt eben nur 50 Pickerln, und die wollen mehr erzählen als über den „Regisseur Herbert Föttinger“ (eine Doppelseite) und den „Schauspieler Herbert Föttinger“ (auch eine Doppelseite): Thematisiert werden unter anderem der Umbau der Josefstadt wie der Kammerspiele sowie der Errichtung neuer Probebühnen und Werkstätten. Mit der Lupe entdeckt man zudem viele Lieblinge, die man schon lange nicht mehr sehen konnte, und auf der letzten Doppelseite gibt es einen besonderen Gag in zwei Bildern. Was für ein amüsantes Ende.
Source:: Kurier.at – Kultur



