
Von Helmut Christian Mayer
Zum Schluss war man schlichtweg überwältigt: Von den unglaublichen musikalischen Welten, die Gustav Mahler in seiner 3. Symphonie – in den Jahren 1895/96 in Hamburg und vor allem in den Sommermonaten am Attersee entstanden – entwickelt; von einem revolutionären Werk, einer Hymne auf die Schöpfung, das seinerzeit alle Formen sprengte.
Für diese Überwältigung sorgten jetzt die Wiener Philharmoniker unter Andris Nelsons gleich mehrmals im Wiener Musikverein. Dabei nahm sich der lettische Dirigent, der derzeit oft in Wien zu erleben ist, viel Zeit und kostete die einzelnen Phrasen voll aus. Es gelang den Musikerinnen und Musikern dieses Mammutwerk von rund 100 Minuten mit Altsolistin, Frauen- und Knabenchor und riesiger Orchesterbesetzung, mit großer Präzision zu musizieren, die Dynamik radikal auszureizen und die ständigen Spannungsgegensätze packend zu gestalten. Dabei faszinierten auch die vielen Solisten aus den eigenen Reihen, insbesondere der Konzertmeister und der butterweich spielende Solotrompeter aus dem Off.
„O Mensch gib acht“
„O Mensch gib acht“: Schon die ersten Töne von Wiebke Lehmkuhl gingen unter die Haut. Die deutsche Altistin sang die fast sakral anmutenden, ernsthaften Klänge aus Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ ungemein beseelt, mit feiner Weichheit und wunderbar runder, dunkler Stimme. Dann sangen die Damen des Wiener Singvereins (Einstudierung: Johannes Prinz) und die Wiener Sängerknaben (Einstudierung: Erasmus Baumgartner) mit kecker Kindlichkeit zu den Glockenklängen. Und das Beste kam zum Schluss: Da erklang das Gänsehautstimmung erzeugende Final-Adagio, mit einer unbeschreiblichen Weite, einem Gefühlreichtum und einer Schönheit des Symphonisch-Melodischen und einer fulminanten Steigerungsdramaturgie bis zum gewaltigen Finale.
Stehende Ovationen!
KURIER-Wertung: ***** von *****
Source:: Kurier.at – Kultur



