
Aus Abu Dhabi
Der Angriff der Iraner auf eine Öl-Anlage im Hafen von Fudschaira am Montag war ein Signal an ihre Nachbarn in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE): Wir sind in der Lage, euch zu treffen. Auch wenn ein weit überwiegender Teil der Raketen seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar von den Abwehrsystemen der Emirate abgefangen werden konnte – die Stimmung im Land ist angespannt.
Zwei Tage später, am Mittwoch, reiste Österreichs Kanzler Christian Stocker in die Hauptstadt Abu Dhabi. Auch das ist ein Signal. „Es ist mir wichtig, diese lange Partnerschaft zu pflegen. Besonders dann, wenn die Zeiten schwierig sind“, sagt er. Und das Signal kommt an: Der Präsident, Scheich Mohamed Bin Zayed Al Nahyan, nennt Österreich einen „Freund“, als er Stocker am Donnerstag zu einem Arbeitsgespräch im Präsidentenpalast empfängt. Ziel sei, die „strategische Partnerschaft“ zwischen den VAE und Österreich zu vertiefen.
So ist der staatliche Ölkonzern ADNOC Miteigentümer der OMV. Deren Töchter, der Kunststoffhersteller Borealis und Borouge, fusionierten kürzlich zur Borouge Group International. Ein Standort befindet sich in Abu Dhabi, das Hauptquartier aber wird in Österreich eingerichtet. Für kommendes Jahr ist der Börsengang des jetzt schon mit 60 Milliarden US-Dollar dotierten Chemiekonzerns geplant.
Voraussetzung für Frieden
Anfang April stand ein Borouge-Werk nach iranischen Angriffen in Brand. Der Krieg ist omnipräsent, und er betrifft nicht nur Wirtschaft und Industrie, auch der Tourismus ist eingebrochen – laut Schätzungen um 90 Prozent.
Die Chance auf eine diplomatische Lösung schätzt Präsident Al Nahyan jetzt, nach einem neuen Verhandlungsangebot der USA, auf „über 50 Prozent“ ein, berichtet Kanzler Stocker den mitreisenden Journalisten. Alles hänge davon ab, wie sich der Iran nun verhält. Klar sei: „Es kann nur Frieden geben, wenn der Iran keine Atomwaffen und kein atomwaffenfähiges Material hat und von der konventionellen Kriegsführung ablässt.“
Diese Haltung habe er auch bekräftigt, als ihn am Donnerstag überraschend ein anderer „Freund“ anrief: Israels Premier Benjamin Netanjahu hat Wind davon bekommen, dass sich Stocker hier aufhält. Vereinbart wurde, dass er „zeitnahe“ seinen Besuch in Israel nachholt, der im Februar ausgefallen ist.
Bei seiner Reise in die Emirate, die noch bis Samstagfrüh dauert, geht es übrigens nicht darum, Öl oder Gas zu organisieren, sagt Stocker. Die Bevorratung in Österreich sei gesichert. Sorgen bereitet derzeit nur die Preisentwicklung, aber auch darum will sich die Bundesregierung mit der Verlängerung der Spritpreisbremse gekümmert haben.
Lernen könne Österreich hier etwas aus Innovationen im Bereich der grünen Energie und der künstlichen Intelligenz, die etwa bei ADNOC eingesetzt wird. Und daraus, mit welcher „Umsicht und Ruhe“ hier, in einem Land, das in den vergangenen 50 Jahren zu einem der reichsten Länder der Welt aufgestiegen ist, mit einer Krise umgegangen werde, sagt Stocker.
Source:: Kurier.at – Politik



