Sturzorgie beim Giro d’Italia: „Im Grunde bist du nur Passagier“

Sport

Wann immer es im Fahrerfeld schlagartig still wird, dann schrillen bei Felix Gall alle Alarmglocken. Das ist die berühmte Ruhe vor dem Sturz. 

Ein zwei Augenblicke vergehen dann, ehe die gespenstische Stille vom schrillen Klappern bockender Fahrräder abgelöst wird, das in den meisten Fällen in ein lautes Wehklagen übergeht. 

Crash mit 60 km/h

Wer mit Tempo 60 und mehr aus dem Sattel geworfen wird und Bekanntschaft mit dem harten Asphalt macht, der kommt selten einmal glimpflich davon.

Passagier

„Du bist im Grunde nur Passagier und musst einfach darauf hoffen, dass es dich nicht erwischt“, erklärt Felix Gall. „Oft hast du halt Pech, dass du zur falschen Zeit am falschen Ort im Feld bist.“

Balanceakt

Der 28-jährige Osttiroler darf sich glücklich schätzen, dass er den Auftakt des Giro d’Italia heil überstanden hat. Die ersten drei Etappen in Bulgarien verliefen äußerst turbulent und endeten für etliche Profis im Spital. 

Regenfälle, schlechte Straßenverhältnisse und die obligate Hektik an den ersten Giro-Tagen sorgten für einen gefährlichen Balanceakt auf zwei dünnen Reifen.

Mehrere Schwerverletzte

Während Felix Gall sich aus dem Gröbsten raushalten konnte und bewusst defensiv und verhalten fuhr, erwischte es einige seiner Kollegen schwer. Das UAE-Team landete auf der zweiten Etappe kollektiv im Straßengraben und beklagt drei Schwerverletzte:

Marc Soler erlitt einen Beckenbruch, Jay Vine zog sich eine Ellbogenfraktur und eine Gehirnerschütterung zu, auch für Mitfavorit Adam Yates ist der Giro wegen einer Gehirnerschütterung vorbei. Zumindest kam der Brite glimpflicher davon als Andrea Vendrame, der sich bei diesem Massensturz drei Wirbel brach.

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Aufpasser

Felix Gall versucht, so gut es geht, brenzligen Situationen aus dem Weg zu gehen. Auch bei seiner siebenten Grand-Tour lautet das Motto wieder: Nur dabei statt mittendrin. „Wenn du halbwegs sicher sein willst, musst du dich im Feld ganz vorne oder ganz hinten aufhalten“, weiß der Osttiroler.

Das Decathlon-Team hat ihm für den Giro einen Aufpasser zur Seite gestellt. Während Landsmann Gregor Mühlberger bei Bergetappen als Helfer fungiert, erhält Gall im Feld Rückendeckung vom belgischen Routinier Oliver Naesen.

„Er passt auf mich auf und lotst mich im Feld. Ihm kann ich blind nachfahren, weil ich weiß, dass er kein unnötiges Risiko eingeht“, erklärt der 28-Jährige.

Blindes Vertrauen

Das erfordert freilich blindes Vertrauen, wenn die Fahrer mit 50 km/h und mehr hinter- und nebeneinander über die Straße brettern. „Wenn du mitten im Feld fährst, siehst du nicht, ob eine Bodenschwelle oder ein Fahrbahnteiler daherkommt“, sagt Gall. 

„Deshalb muss man da seinen Vorderleuten vertrauen und sich sagen: Wenn die da jetzt so durchfahren, dann werde ich auch durchkommen.“

Vorsicht Känguru

Der Österreicher ist froh, dass der Giro inzwischen in Italien angekommen ist und schon bald die ersten Bergetappen warten. Dann zieht sich das Feld traditionell in die Länge und die Gefahr von Massenstürzen ist nicht mehr so groß. In Sicherheit darf sich ein Radprofi freilich nie wiegen.

Wer weiß das besser als Jay Vine, für den der Giro am Samstag vorzeitig zu Ende gegangen ist. Bei der Tour Down Under war der UAE-Profi heuer ebenfalls schwer gestürzt.

Ein Känguru holte den Australier vom Rad.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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