„Die Ratten“ in Linz: Psycho-Tristesse statt klassischem Elend

Kultur

Von: Werner Rohrhofer

„Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann zählt zu den wichtigsten Theaterstücken des deutschen Naturalismus in seinem Bestreben, die sozialen Missstände am Ende des 19. Jahrhunderts vor Augen zu führen. Wenn eine Inszenierung allerdings das materielle und soziale Elend optisch weitgehend ausspart, geht die innere Logik des Stücks mit seiner ursprünglichen Intention verloren.

So geschehen jetzt in der Produktion im Linzer Schauspielhaus. In Hauptmanns Tragikomödie aus dem Jahr 1911 steht die Putzfrau Henriette John im Mittelpunkt, die aufgrund der ärmlichen, unhygienischen Verhältnisse ihr Baby verloren hat, aber unbedingt wieder ein Kind will. Sie kauft dem Dienstmädchen Pauline dessen ungewolltes Kind ab. Alles vor dem Hintergrund der tristen sozialen Umstände.

Neonlicht

Ort der Handlung ist ein Dachgeschoss, wo auch der Kostümfundus eines Theaters untergebracht ist. Der Kindeshandel fliegt auf, das Ganze endet in einer Tragödie.

In der Linzer Inszenierung von Ulrike Arnold ist der Dachboden mit dem Kostümfundus ein nahezu elegantes, neonbeleuchtetes Ambiente, das Sauberkeit ausstrahlt, dazu tragen die geordneten, oft reinweißen Kostüme bei.

Auch die handelnden Personen der „Unterschicht“ vermitteln kein klassisches Elend al la Gerhart Hauptmann. Dafür dominiert die psychische Tristesse. Verzweiflung, Ängste, machoides Gehabe – etwa des Theaterdirektors – und eine Atmosphäre von Schein und Sein dominieren. Zum Symbol dafür werden die Kostüme.

Das Leben wird zum Requisit, beginnend beim Frühstück über die Liebe bis zum toten Kind, das im Schrank gelagert wird. Naheliegend, dass Henriette John als Mutter mit ihrer „Affenliebe“ im Affenkostüm auftritt.

Die Inszenierung ist dicht, Hauptmanns fünf Akte sind auf nicht einmal zwei Stunden komprimiert.

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Es gibt keine Längen, das Ensemble – darunter auch Studierende des Schauspielinstituts der Anton Bruckner Privatuniversität – agiert engagiert und kämpft sich tapfer durch den Requisitendschungel (Kostüme Anna Lechner).

Die Bühnengestaltung (Franziska Bornkamm) ist stimmig angesichts der Ausklammerung der Elends-Optik und als Hintergrund für den psychisch-emotionalen Zugang zum Frau- und Muttersein mit all seinen Problemen und Erwartungen. Doch das ist im Jahr 2026 ein anderes Thema als 1911.

Nächste Termine: 13., 15., 17., 20., 22., 26. und 28 Mai. landestheater-linz.at

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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