Beraterin Heidi Glück: „Wofür steht die ÖVP?“

Politik

Seit über zwei Jahrzehnten ist Heidi Glück in der Kommunikations- und Beraterbranche tätig, sieben Jahre lang war sie Sprecherin von „Schweigekanzler“ Wolfgang Schüssel. Was von ihm bleibt und warum Frauen in Führungsfunktionen sichtbar sein müssen, das erzählt sie im Innenpolitik-Podcast.

KURIER: Wann sucht jemand Ihre Hilfe, wann kämen wir auf Sie zu?

Heidi Glück: Wenn Sie mitten in einer Krise stecken – leider zumeist nicht vorher – oder Sie nehmen eine neue Funktion an und suchen jemanden, der Sie dabei begleitet. Das Problem ist oft, dass man die Krise nicht in der Anbahnungsphase erkennt, sondern erst, wenn es schon um mediale Reaktionen geht. Da sind viele schon sehr spät dran oder auch zurückhaltend – aufgrund von dringenden Empfehlungen diverser Anwälte, die im Zweifel immer sagen: Wir sagen am besten gar nichts, no comment.

Gibt es Fälle, in denen „no comment“ die Lösung ist?

Aus meiner Sicht: nein. „No comment“ hinterlässt immer den Eindruck, irgendetwas könnte doch dahinter stecken. Man kann auf jede Frage eine gut überlegte Antwort geben. Das gilt im Übrigen nicht nur für Krisensituationen, sondern generell auch für die Politik.

Was ist der größte Unterschied in der Kommunikation von Unternehmen und der Politik?

Die Politik ist mehr oder weniger immer öffentlich, sieben Tage die Woche, und Politiker sind permanent gefordert, das, was sie tun, zu erklären, transparent zu machen. Politiker sind immer in der Auslage.

Ist es leichter oder schwieriger geworden, mit Botschaften durchzudringen?

Es ist eindeutig schwieriger geworden. Du musst noch schneller sein. Und die Folge davon ist, dass du noch weniger Zeit hast, Dinge vor- und aufzubereiten. Ich habe das Gefühl, dass sich die Politik von dieser Dynamik treiben lässt und eigentlich mutiger sein müsste. Sie müsste manchmal sagen: Wir können die Antwort heute nicht geben, wir brauchen noch einige Zeit, bis der Meinungsbildungsprozess abgeschlossen ist, und dann werden wir informieren.

  Ex-Regierungschef Thaksin vorzeitig freigelassen

Hat das nicht mehr mit Professionalität denn mit Mut zu tun? Es sind doch auch die Politiker selbst, die das Tempo vorgeben und jeden Tag etwas auf Instagram posten, was oft keinen Inhalt hat.

Da gebe ich Ihnen schon recht, aber auf der anderen Seite musst du in der Kommunikation für ein Thema erst Awareness schaffen. Gut wäre immer auch ein öffentlicher Diskurs, damit die Bevölkerung mitkriegt, was überhaupt geplant ist. Manchmal kommen die Themen aber derart im Stakkato, dass die Leute nichts mitkriegen. Wenn ich zwei Tage nicht die Nachrichten sehe oder lese, habe ich gar nicht mitbekommen, was die Regierung diese Woche beschlossen hat.

Können die Handelnden ihr Handwerk nicht?

Es geht nicht um die Quantität, sondern um die Qualität. Ich will niemandem in der Regierung unterstellen, dass er zu wenig arbeitet. Ich bin überzeugt, die kommen um sieben Uhr früh ins Büro und gehen um elf Uhr abends und machen das Beste, das sie können. Das Problem ist, dass man vieles davon nicht mitbekommt, weil eben die Priorisierung fehlt. Ich erinnere mich an die türkis-grüne Regierung, wo zum Schluss Bundeskanzler Karl Nehammer stolz war, als er Bilanz gezogen hat und auf die mehr als 1.000 beschlossenen Gesetze hingewiesen hat. Ich habe mir gedacht: Was …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.