
Herr S. überwies auf Anweisung eines angeblichen Bankmitarbeiters mehrere Tausend Euro auf ein vermeintliches „Treuhandkonto“ – tatsächlich ein Betrug. Trotz sofortiger Sperrversuche und Anzeige war ein Großteil des Geldes verloren. Nach Intervention der Arbeiterkammer (AK) ersetzte die Bank nur ein Drittel des Schadens. Dies ist nur einer von mehr als tausend Fällen im Jahr, die bei der AK landen.
„Die Methoden werden zunehmend professioneller und schwieriger zu durchschauen“, sagt Gabriele Zgubic, Leiterin der AK-Wien-Konsumentenpolitik. Und die Banken würden in fast allen Fällen sich weigern, den Schaden zu ersetzen. Dabei gilt laut Gesetz: Handeln Kunden nicht grob fahrlässig, müssen Banken bei nicht autorisierten Zahlungen haften. „In der Praxis wird Betroffenen jedoch oft vorgeworfen, Zahlungen selbst autorisiert oder grob fahrlässig gehandelt zu haben“, berichtet Zgubic aus der Praxis.
Hinzu komme, dass die Überwachungssysteme bei auffälligen Transaktionen oft nicht funktionieren würden. Erst kürzlich habe aus diesem Grund das Oberlandesgericht Linz im Sinne eines Kunden entschieden. „Hier sehen wir Handlungsbedarf“, so Zgubic weiter und stellt diese Forderung an Banken sowie Aufsicht.
Finanzsanierer
Dubios erscheinen der AK auch sogenannte Finanzsanierungsunternehmen. Diese würden gezielt bei Menschen in Geldnot werben – oft über Google-Anzeigen. „Viele Betroffene glauben, es gehe um eine Kreditvermittlung, zahlen aber hohe Gebühren für angebliche Schuldensanierung“, so AK-Fachmann Christian Prantner. Statt finanzieller Hilfe entstünden oft zusätzliche Schulden. Problematisch: „Manche Anbieter verfügen nicht einmal über eine Gewerbeberechtigung und tauchen nach Klagen unter neuem Namen wieder auf.“
Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes aus 2025 stärke die Position der AK: Finanzielle Schuldensanierung darf demnach nur von Rechtsanwälten und staatlich anerkannten Schuldenberatungen angeboten werden.
Weiters sollten Finfluencer klaren Regeln unterworfen werden. „Besonders junge Menschen unterschätzen dabei oft die Risiken und zahlen viel Geld für fragwürdige Coachings“, sagt Prantner. Mit der EU-Kleinanlegerstrategie arbeite das EU-Parlament aktuell an strengeren Vorschriften. Sie sollen aber erst Mitte 2027 in Kraft treten.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



