
Es könnte das Ende einer Ära sein: Nach jahrzehntelangem Monopol der Casinos Austria steht Österreichs Glücksspielmarkt vor der größten Umwälzung seiner Geschichte. Ein Gesetzesentwurf deutet darauf hin, dass ab 2029 erstmals internationale Anbieter um Online-Lizenzen ansuchen können. Für die teilstaatliche Casinos Austria und ihre Online-Plattform win2day könnte das Millionenverluste bedeuten. Noch im Januar 2026 schien die Sache klar: Die Regierung wollte am Monopol festhalten. Doch der nun vorliegende Entwurf markiert eine 180-Grad-Wende. Ab 2029 soll ein Multi-Lizenz-System nach deutschem Vorbild greifen – theoretisch ohne Obergrenze für die Anzahl der Lizenzen.
Das neue Gesetz soll im Sommer 2026 in Kraft treten, die geplante Marktöffnung 2029 erfolgen. Besonders brisant: Der Entwurf sieht eine Art Amnestie für bisher illegale Anbieter vor, und von denen gibt es viele. Wer sich um eine Lizenz bewirbt, muss zwar alle offenen Abgaben seit Geschäftsbeginn in Österreich nachzahlen. Bei einem Steuersatz von 40 Prozent auf die Bruttospieleinnahmen können dabei saftige Beträge zusammenkommen.
Doch etliche illegale Anbieter, die mit Lizenzen in Malta und Gibraltar arbeiten, zahlen schon heute Steuern. Die etwaigen Nachforderungen zahlen diese Unternehmen aus der Portokasse. Zusätzlich müssen die künftigen Konzessionäre erfolgreiche Spielerschutzklagen anerkennen und die Rückforderungen begleichen. In der Regel einigen sich diese Anbieter mit den klagenden Spielern.
„Margaret Thatcher hätte ihre Freude gehabt“
Der aktuelle Gesetzesentwurf stößt auf massive Kritik des Monopolisten Casinos Austria. Ihr Sprecher Patrick Minar bezeichnet die geplanten Regelungen als „katastrophal“ – und zwar für alle Beteiligten, auch für jene, die eine Marktöffnung befürworten. „Das ist der radikal marktliberalste Weg, den Markt zu öffnen. Margaret Thatcher hätte ihre Freude gehabt“, meint Minar. Das Kernproblem sieht er in einem doppelten Spielerschutzregime: Auf die bestehenden Online-Schutzvorschriften sollen zusätzlich die verschärften Regeln des sogenannten „kleinen Glücksspiels“ angewendet werden. Dieses Automatenglücksspiel ist in den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und Salzburg erlaubt.
Begrenzung des Höchstgewinns
Das neue Gesetz führt dadurch zu drastischen Einschränkungen für zukünftige Lizenzinhaber. So sollen künftig Spieler nur noch zwei Euro pro Spielrunde einsetzen dürfen, der Höchstgewinn soll mit 2.000 Euro begrenzt werden und die Spieldauer nach 90 Minuten für eine Viertelstunde unterbrochen werden. Mit der Begrenzung des Höchstgewinns wird jeglicher Jackpot verboten.
„Mit diesen Einschränkungen wird es ein sehr unattraktives Angebot sein“, warnt Minar. Die Konsequenz: Spieler würden direkt wieder in die Illegalität abwandern, wenn das künftig legale Angebot unattraktiv ist. Minar sieht in dem Entwurf eine Lose-Lose-Situation: Wirtschaftlich werde das Angebot aufgrund der Einschränkungen kaum für Spieler attraktiv sein.
Ausschlusskriterien
Er fordert stattdessen harte Ausschlusskriterien. Anbieter, die in den vergangenen Jahren illegal tätig waren, sollten keine Lizenz erhalten. „Man muss ihnen eine Frist geben und sagen: Wer die letzten drei Jahre oder fünf Jahre illegal angeboten hat, der Recht gebrochen hat, ist ausgeschlossen von einer Lizenzbewerbung“, schlägt Minar vor. „Dies würde jene Anbieter bevorzugen, die sich vor Jahren freiwillig aus dem illegalen Geschäft in Österreich zurückgezogen haben, um rechtskonform zu sein.“
Verband begrüßt den Gesetzesentwurf
Indes begrüßt die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) den Entwurf. „Der ist eine tolle Sache und der richtige Weg“, sagt Thomas Forstner vom OVWG zum KURIER. „Damit wird Österreich endlich europäische Standards erfüllen. Es …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



