Tiroler Lederhosen auf Temu: „Ein Drittel mehr Bestellungen“

Wirtschaft

Die Wildbock-Lederhose „perfekt für das Oktoberfest“ gibt es um 95,91 Euro. Sie ist der Bestseller vom Tiroler Leder- und Trachtenmodehändler Alpenlife auf Temu. Etwa 30 Stück davon werden täglich über den chinesischen Online-Marktplatz verkauft. Die Bestellungen kommen aus ganz Europa, vor allem aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Für Alpenlife-Gründer Vasileios Malakontas ein gutes Geschäft. Seit Verkaufsstart vor einem Jahr habe er via Temu bereits 2.400 Stück Lederhosen, -jacken, -schuhe sowie Trachtengürtel verkauft, vermerkt das Portal über den „Star-Verkäufer“ aus Österreich.

Mit Temu viele neue Kunden erreicht

„Temu hat mich wirklich überrascht, das sind echte Profis. Es läuft besser als bei Amazon“, erzählt Malakontas dem KURIER. Bisher verkaufte er die Lederwaren neben seinem stationären Shop in St. Johann in Tirol vor allem über Amazon und Ebay. „Mit Temu sind die Bestellungen um ein Drittel angestiegen. Wir haben viele neue Kunden erreicht.“. Designt und entwickelt werden die Waren in Tirol, gefertigt in Pakistan oder Indien.

Alpenlife war einer der ersten Händler aus dem deutschsprachigen Raum, die bei den Chinesen andockten. Der Marktplatz ist erst seit 2023 in Europa aktiv und buhlt seither aktiv um lokale Händler. Wie viele schon über Temu verkaufen, konnte ein Temu-Sprecher auf Anfrage nicht sagen, nur so viel: „Durch unseren Marktplatz entstehen Chancen für lokale Händler in Österreich, die mit Temu nicht nur lokal in Österreich, sondern in ganz Europa expandieren und wachsen können“.

Temu-Betreiber Whaleco mit Sitz in Dublin will, dass bis zu 80 Prozent der Verkäufe in Europa von lokalen Händlern stammen. Die Registrierung auf dem Marktplatz sei relativ einfach gewesen, „die haben sich sehr bemüht“, erzählt Malakontas.

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Temu legt die Preise fest

Die Preisgestaltung läuft anders als bei den meisten anderen Marktplätzen, die Verkaufsprovisionen verlangen. Die Händler nennen Temu einen Nettoverkaufspreis, zu dem sie liefern können. Die Plattform legt den Endkundenpreis fest und übernimmt die Promotion. Das Defacto-Preisdiktat sorgt für Kritik. Der deutsche Handelsverband wirft Temu vor, Händlern vorzuschreiben, dass deren Preise günstiger als auf anderen Plattformen sein müssen, was Temu bestreitet. Das Bundeskartellamt leitete Ermittlungen ein.

Auch mit EU-Recht kommt das preis- und reichweitenaggressive Portal immer wieder in Konflikt. Die Mängelliste reicht von illegalen Produkten, psychologischen Verkaufspraktiken bis zu fehlenden Verbraucherschutz.

Dem Wachstum scheint das nicht zu schaden. In Europa besuchen pro Monat 100 Millionen Menschen die Plattform. In Österreich hat Temu nach eigenen Angaben rund 2,3 Millionen aktive Nutzer. Allein in den vergangenen sechs Monaten kamen 15 Prozent dazu. Mit einem Bruttowarenwert von 341 Millionen Euro hat Temu in Österreich kürzlich den Versandhändler Otto überholt und liegt hinter Amazon, Zalando und eBay auf Rang 4 der größten Online-Marktplätze. Schon 47 Prozent der Umsätze im heimischen eCommerce werden auf Marktplätzen generiert.

Einkaufen bald auch bei Tiktok

Demnächst sperrt ein weiterer chinesischer Marktplatz in Österreich auf. Die Social-Media-Plattform Tiktok startet am 15. Juni mit „Tiktok Shop“. Nutzerinnen und Nutzer können ohne große Hürden über so genannte „shoppable Videos“ und in Livestreams direkt von Händlern, Marken und Influencern einkaufen. Die Angebote sind dabei entsprechend des Algorithmus hoch personalisiert.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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