
Milo Rau kommt auf dem Rad angedüst, lässt sich noch „ein Käffchen runter“ – und schaut vorerst eigentlich ganz entspannt drein. Dabei ist bei den Wiener Festwochen wilder Wirbel, und zwar diesmal echter Wirbel.
Die Ein- und folgende Ausladung des Rechtsaußen-Milliardärs Peter Thiel hat Rau vehemente Ablehnung auch von manchen eingebracht, die sein Provokationstheater bisher mitgespielt haben.
KURIER: In den letzten Tagen wurde so viel behauptet, aber es gab nie Belege. Wir würden gerne einen Re-Check machen. Der „Standard“ veröffentlichte am 30. April – also zwei Wochen vor Festwochen-Beginn – ein Interview mit Ihnen: „Man hört, dass Sie Peter Thiel zu den Festwochen eingeladen haben.“ Ihre Antwort legt den Schluss nahe, dass es sich um ein hinlänglich bekanntes Gerücht handeln würde: „Das habe ich auch gehört.“
Milo Rau: Es ist Fakt, dass wir seit letztem Herbst an der Reihe „Holy Spring“ arbeiten, in der es um Apokalyptiker geht. Daher waren wir mit Peter Thiel und Wolfgang Palaver in Kontakt. Und das wurde irgendwie auf mir nicht ganz erklärliche Weise – ich spreche immer die Wahrheit – geleakt. Und dann hat sich das eben unter Journalisten verbreitet. Wir haben ja unsere Spielregeln, etwa dass die Veranstaltung öffentlich ist, dass es ein kritisches Panel und Publikumsfragen geben muss. Das zu klären, auch die thematische Dramaturgie des Abends, den ich ja moderiert hätte, brauchte viel Zeit. Die finale Bestätigung gab es erst vor kurzem, konkret Anfang letzter Woche. Deshalb haben wir zu dem Zeitpunkt öffentlich gesagt: gute Idee, machen wir.
Welchen Beweis gibt es, dass Sie wirklich mit Thiel Kontakt aufgenommen haben? In der Art: „Du Peter, halte Dir mal den 7. Juni frei! Ich sag Dir aber noch, ob daraus was wird.“?
Ich könnte Mailkontakte zeigen, aber das mache ich nicht, bei keinem unserer Künstler. Mailen Sie Thiel an! Aber vielleicht brauchen Sie auch nur darauf warten, dass er sich öffentlich dazu äußert, ich rechne jedenfalls damit. Wie auch immer, ich verstehe Ihre Frage nicht ganz.
Diese von Ihnen angestoßene Debatte hat einen stark performativen Charakter. Indem eben – ohne Ihr Wissen natürlich – Informationen gestreut wurden. Am 22. Mai verkündete der „Standard“ online, dass Thiel zu den Festwochen kommt. Und die Polizei sei bereits in Kenntnis gesetzt worden.
Ja, natürlich, wir planen ja alles gut. Warum die Polizei das ausplaudert, enttäuscht mich hinwiederum und scheint mir eher gegen ein gutes Sicherheitskonzept zu sprechen.
Es schien diesen zweiten „Leak“ gebraucht zu haben, um die Debatte zu entfachen.
Ja, mich hat sehr verwundert, dass sich nach dem ersten Leak niemand dafür interessiert hat. Wir fürchteten, dass es schneller gehen würde. Aber beim zweiten Mal hat es die Leute zu interessieren begonnen. Und so waren wir dann in Zugzwang und haben schnell alles zu Ende organisiert.
Wie kam es überhaupt zur Kontaktnahme mit Herrn Thiel? Haben Sie ihn angerufen? Oder ihm auf Telegram geschrieben?
Er postet wenig. Das war ein persönlicher Kontakt zwischen Wolfgang Palaver, Peter Thiel und mir im Herbst 2025. Aber ich erkläre nie, wie ich mit Künstlern in Kontakt trete oder wann ich sie treffe, das ist völlig uninteressant. Zunächst ging es …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



