
Annalena in Big Apple, mit Stilettos im „Sex and the City“-Stil: Als Deutschlands erste weibliche Außenministerin im Herbst 2025 auszog, um in New York das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung anzutreten, wurden ihre allzu plakativen Instagram-Reels belächelt. Abseits der öffentlichen Show fragten sich aber viele: Wie würde sich die polarisierende Grüne, die zu Hause lange die Lieblingszielscheibe der AfD war, wohl in einem Amt machen, in dem es nur ums überparteiliche Moderieren und Schlichten geht?
Jetzt, da ihr Amt nach einem Jahr bald enden wird, lässt sich sagen: Ganz geräuschlos machte Baerbock ihren Job nicht. Zunächst stießen sich viele daran, dass die 45-Jährige die eigentlich vorgesehene Kandidatin, die Diplomatin Helga Schmid, zur Seite räumen ließ. Später nannte Russland ihre Nominierung eine „Ohrfeige“ für die UN; Baerbock war schließlich als Außenministerin mit Putin stets hart ins Gericht gegangen. Moskau erzwang deshalb sogar, dass ihre Wahl geheim abgehalten wurde, Baerbock setzte sich dennoch klar durch.
Zu Gast bei Jon Stewart
Während ihre UN-Arbeit in Deutschland eher unter dem Radar lief, wurde sie in den USA durchaus öffentlich wahrgenommen. Im Frühling hatte die Deutsche sogar einen Gastauftritt in der Daily Show von Latenight-Ikone Jon Stewart. Dort verglich sie die Vollversammlung mit einem Thanksgiving-Essen samt übellaunigem Onkel und Hippie-Mutter. „Alle sollten aus demselben Liederbuch singen, aber das wollen viele nicht mehr – ich bin darum hier, um das Liederbuch zu verteidigen“, sagte sie da. Die „Deutsche im Humor-Ausland“, wie die Zeit sie danach spöttisch nannte, schlug sich dabei tapfer, auch wenn ihr Englisch mitunter holprig war („das klingt sicher traumhaft auf Deutsch“, sagte Stewart an einer Stelle).
In der Show sprach Baerbock auch von der Hauptaufgabe, die sie in ihrer Amtszeit zu absolvieren hatte: die Suche nach einem Nachfolger für UN-Generalsekretär António Guterres, der Ende des Jahres abtreten wird. Erwünscht sei von den 193 UN-Mitgliedern eine Frau, sagte Baerbock. Derzeit sind immerhin zwei der vier gehandelten Kandidaten weiblich. Dass sie selbst – schließlich verfolgte Baerbock ihre Karriere immer sehr hartnäckig – Ambitionen auf die Nachfolge habe, wies sie aber bisher immer zurück.
Source:: Kurier.at – Politik



