Wieso Trumps Drohungen gegen den Iran nicht funktionieren

Politik

Wer Donald Trumps Krieg auf Social Media folgt, könnte meinen, die Sache wäre längst erledigt. „Der Tyrann des Nahen Ostens ist tot“, verkündete der US-Präsident am Mittwoch: Die Mullahs seien „vollständig besiegt“.

Die Realität sieht anders aus. Mehr als 100 Tage sind vergangen, seit die USA und Israel begonnen haben, den Iran zu bombardieren; mehr als 60, seit Washington und Teheran sich auf eine Waffenruhe einigten. Seither hat Trump bereits dutzende Male behauptet, kurz vor einem Deal zu stehen – worauf meist martialische Drohungen folgten. In den letzten Tagen steigerte sich das in neue Angriffe hinein: Nachdem iranische Drohnen einen Apache-Hubschrauber bei Hormus abgeschossen hatten, antworteten die USA mit massiven Luftschlägen – und der Iran beschoss erneut die Golfstaaten.

Eine neue, heiße Phase des Kriegs wolle man damit nicht einleiten, sagte Verteidigungsminister Pete Hegseth, man wolle damit nur Druck am Verhandlungstisch erzeugen. „Wenn wir mit Bomben verhandeln müssen, dann werden wir mit Bomben verhandeln.“

Allein: Die Strategie geht nicht auf. Zwar hat sich die wirtschaftliche Lage im Iran massiv verschlechtert, eine Million Menschen wurde seit Kriegsbeginn arbeitslos, die Inflation liegt bei 85 Prozent. Aber das Regime wankt darum nicht, sondern zeigt sich bei den Verhandlungen eher noch sturer. Manche Beobachter schätzen, dass die neuen Attacken sogar dazu führen könnten, dass Teheran die Gespräche platzen lässt: „Keine militärische Operation, sei sie begrenzt oder umfassend, kurz oder langwierig, dürfte den Iran dazu zwingen, ein Abkommen zu den Bedingungen der USA zu akzeptieren“, schreibt Danny Citrinowicz, einst Iran-Experte im israelischen Militärgeheimdienst und nun Fellow beim Atlantic Council. Eine kleine Gruppe Hardliner buhle seit Wochen darum, die Verhandlungen ganz zu beenden; sie bekämen durch die neuen Angriffe Rückenwind.

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Glaubwürdigkeitskrise

Trump selbst steht damit mehrfach unter Druck. In den USA fordern die Falken in seiner Partei Ergebnisse, gleichzeitig ist der Krieg in der Bevölkerung höchst unbeliebt und drückt seine Umfragewerte, weil auch die Preise wegen der Sperre der Straße von Hormus steigen und steigen.

Dazu kommt, dass Trump seine Glaubwürdigkeit als Dealmaker aufs Spiel setzt – nicht nur wegen der folgenlosen Drohungen gegen die Mullahs, sondern auch, weil seine Worte in Jerusalem offenbar nicht mehr das Gewicht haben, das sie einst hatten. Israels Premier Benjamin Netanjahu hat seine Attacken gegen die libanesische Hisbollah trotz Trumps Zorn fortgesetzt. Damit hat er die Aussichten auf einen schnellen Deal zusätzlich torpediert.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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