The Artist is present oder: „Scheiß auf die EU-Bürokraten.“

Kultur

Ein Haargummi, eine Trinkflasche, ein Pass. Letzterer wurde für ungültig erklärt. Sie gehören einer jungen Frau, Doroteja Antić. Für die Polizei sind diese Gegenstände aus ihrem Zimmer verdächtig, denn Antić gilt seit März 2025 als Terroristin.

Ihr Vergehen: Sie gehört der Protestgruppe „Studierende gegen autoritäre Herrschaft“ an, die im März 2025 ihr Land verlassen musste. Ihr von der Polizei beschlagnahmtes Hab und Gut ist nun in der Performance „Dora or Who’s Going To Stitch the Vests“ ausgestellt, die Antićs Leben erzählt.

Die Proteste begannen im November 2024 nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Die fahrlässige Renovierung gilt als Teil einer Serie von Korruptionsskandalen der seit 2012 regierenden Serbischen Fortschrittspartei. Als sich die Proteste zu einer breiten zivilgesellschaftlichen Bewegung entwickelten, reagierte die Regierung mit Verhaftungen. Junge Menschen wie Doroteja wurden zu Terroristen erklärt. Ihr letzter Satz in Serbien: „Wer wird die Westen nähen?“

Die serbische Performancekünstlerin Andreja Kargačin brachte die Geschichte von Doroteja Antić zunächst in Belgrad auf die Bühne. Antić konnte das Theaterstück, das auf ihrem Leben basiert, bisher nicht sehen. Am Wochenende hat Antić es in Wien bei den Festwochen im Nestroyhof Hamakom Theater gesehen.

Unlängst sei doch Marina Abramović in Wien gewesen, sagt Kargačin. Abramović zitierend könne sie nun sagen: „The Artist is present.“

Zuvor lesen Andreja Kargačin und Schauspiel-Partnerin Natalija Stepanović aus Doras Nachrichten aus dem kroatischen Exil und erzählen zugleich die ganz normale Geschichte zweier Jugendfreundinnen. Wäre da nicht die Polizei, die sie bedroht und auch die Zuschauer in die Mangel nimmt. Vermummt sitzt die Staatsgewalt im Publikum, taucht hinter den Zuschauern auf, verlangt rüde, die Eintrittskarten zu sehen, und verbreitet Angst und Schrecken. Und plötzlich ist auch die Frau, um die es hier geht, persönlich da. Zunächst via Handy-Liveschaltung, dann tatsächlich auf der Bühne.

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Zuvor weist eine Juristin auf die rechtlich heikle Situation hin. Die Zuschauer sind Teil dieser Geschichte, die kein Theater, sondern Alltag in Mitteleuropa ist. Apropos Europa: Auf die EU sind die jungen Serben nicht gut zu sprechen: „Scheiß auf die EU-Bürokraten.“ Auch dank EU-Appeasement-Politik hält sich das Regime am Leben.

Ist das gutes Theater, weil die Botschaft wichtig ist? Restlos überzeugt „Dora“ nicht. Teilnahmslos aber bleibt hier keiner.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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