
„Frankreich, wir kommen“ stand 1998 überall in Österreich in großen Lettern. Als Gruppensieger in der Qualifikation waren Andi Herzog, Toni Polster und Co. fix für die WM qualifiziert.
Was folgte, beschreibt Herzog bis heute als „das bitterste Erlebnis meiner Karriere“. Eine hartnäckige Zehenverletzung hatte ihn außer Tritt gebracht. „Ich hab‘ nicht einmal 50 Prozent der Leistung gebracht, die möglich gewesen wäre.“
Teamchef Herbert Prohaska schickte ihn trotzdem gegen Kamerun ins Spiel, als hängende Spitze hinter Polster, der in der Qualifikation sieben Tore geschossen hatte – und ebenfalls die Form verloren hatte. „Dem Herzerl hatten wir diese WM zu verdanken. Aber dann war er schlecht drauf. Und der Hannes Reinmayr, der auf der Bank gesessen ist, war in der Form seines Lebens“, erinnert sich Wolfgang Feiersinger, damals Abwehrchef.
Reinmayr durfte erst im dritten Spiel gegen Italien ran. Das wurmt ihn noch heute: „Einerseits hab‘ ich den Prohaska verstanden. Aber es müssen die spielen, die am besten drauf sind.“
Die beste Leistung
Gegen Italien zeigte Österreich die beste Leistung des Turniers, auch dank Reinmayr. Das Tor beim 1:2 erzielte aber Herzog, per Elfmeter. Polster, gegen Kamerun noch Last-Minute-Torschütze, gelang wie schon gegen Chile nichts mehr. In der 62. Minute nahm Prohaska ihn vom Platz – für viele zu spät.
Es folgte der Heimflug. Mit hängenden Köpfen, verärgert, auch zerstritten. „In der Quali hatten wir einen tollen Zusammenhalt. Aber bei der WM wollte jeder spielen“, sagte Herzog.
Zu seiner Aufstellung gegen Kamerun sagte Prohaska später zum KURIER: „Wir haben mit dieser Mannschaft in der Quali von zehn Spielen acht gewonnen und nur vier Gegentore erhalten. Logisch, dass wir mit denen bei der WM spielen. Der Unterschied war, dass Andi Herzog weit davon entfernt war, der Herzog zu sein, den wir in der Quali hatten. Und der Toni Polster war auch nicht gerade gut in Form.“
„Ich würde es wieder tun“
Auf die Alternativen? „Vielleicht wäre es besser gewesen, den fitten Reinmayr spielen zu lassen. Aber der Andi hat gesagt, mit einer Spritze wird’s schon gehen.“
Ob er heute wieder so entscheiden würde? „Das war auch eine menschliche Entscheidung. Ich hab‘ dem Andi gesagt, dass ich glaub‘, dass er nicht fit ist. Aber er war bereit, und dann willst du deinen besten Spieler der Qualifikation nicht draußen lassen. Es war nicht die richtige Entscheidung, aber ich würde sie wieder so treffen.“
Source:: Kurier.at – Sport



