Die Wiener Mechatroniker wollen der China-Konkurrenz trotzen

Wirtschaft

Es ist eine Entwicklung, die viele Branchen betrifft: Chinesische Unternehmen drängen mit günstigen Produkten auf den österreichischen Markt, viele heimische Betriebe haben das Nachsehen. Auch in der Bahnindustrie ist die chinesische Konkurrenz auf dem Vormarsch. 

Seit dem Herbst 2025 fahren für die heimische Westbahn vier Züge aus Fernost. Die Kritik aus der Branche war groß, der Preis wegen geringer Lohnkosten und staatlicher Subventionierung für die Westbahn jedoch unschlagbar. Gerade die hohen Kosten werden für die heimische Branche immer wieder zum Thema. „In dem Bereich können wir nicht führend sein, aber dafür bei der Qualität, der Flexibilität und der Verlässlichkeit“, sagt Innungsmeister der Wiener Mechatroniker, Peter Merten, dem KURIER. Die günstigen Züge aus China würden auch Gefahren bergen.

Abhängigkeit von internationalen Lieferketten 

„Es besteht eine gewisse Abhängigkeit. Das hat man während der Corona-Pandemie bemerkt, als Lieferketten unterbrochen wurden“, sagt Innungsmeister-Stellvertreterin Ulrike Haslauer dem KURIER. Sie setzt sich für internationale Kooperationen heimischer Betriebe – auch mit chinesischen Unternehmen – ein, ohne Abhängigkeiten zu erzeugen.

Auch Anil W. Rai, Geschäftsführer Verband der Bahnindustrie fordert Wertschöpfung im Inland und Europa – vor allem, wenn öffentliche Gelder im Spiel sind. „Gleichzeitig braucht es faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Anbietern aus Drittstaaten, die oftmals unter völlig anderen Marktbedingungen agieren. Europa muss stärker auf Reziprozität achten: Wer Zugang zu unseren Märkten haben will, sollte europäischen Unternehmen dieselben Chancen in seinen Märkten einräumen.“ 

Auch Merten befürchtet Abhängigkeiten: „Wir machen uns erpressbar. Wenn wir keine Ersatzteile bekommen, dann steht die Bahn. Ich würde das nicht verantworten wollen.“ Er fordert die Politik auf, hier bei Ausschreibungen „die richtigen Akzente zu setzen“. 

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Lob für Lohnnebenkostensenkung und Industriestrategie

Lob finden die Branchenvertreter für die Lohnnebenkostensenkung ab 2028, die die personalintensiven Mechatronikbetriebe entlasten soll. Auch die Industriestrategie 2035 könne den Industriestandort stützen und mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Denn Österreich sei hinsichtlich der Bahnindustrie ein „wahres Mekka“, so  Merten. Die Branche hätte historische Bedeutung und großes Know-how. In Wien gebe es außerdem den „modernsten Windkanal Europas“, wo Züge unterschiedlicher Hersteller getestet werden.

Eine Herausforderung für die Branche ist seit einigen Jahren der Fachkräftemangel. Durch Initiativen und Informationsveranstaltungen versucht die Innung, Betriebe und potenzielle Lehrlinge zusammenzubringen. Künftig wollen Merten und Haslauer auch einen neuen Lehrberuf, den des „Bahnmechatronikers“ einführen. Diese spezialisierte Ausbildung gibt es aktuell noch nicht. Derzeit sei außerdem noch nicht klar, ob und wann die neue Ausbildung starten kann. Die Innung strebt eine Umsetzung in den kommenden Jahren an.

„Wir können aber eigentlich nicht lang warten“, sagt Haslauer. Generell sei Mechatroniker ein „Zukunftsberuf“. Neue Fachkräfte würden auch wegen der Mobilitätswende rasch benötigt. Aktuell gibt es in Wien rund 1.750 Mechatronikbetriebe. Österreichweit zählt die Bahnindustrie 34.000 Beschäftigte. Parallel zum neuen Ausbildungsberuf will die Innung die Vernetzung mit HTLs, Fachhochschulen und Technischen Universitäten ausbauen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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