
Von Gabriele Flossmann
Alle Filme des irischen Regisseurs John Carney folgen dem Leitmotiv der Musik. Ein einfaches Lied verbindet Menschen, egal, ob sie ihre Identität suchen oder eine Krise durchmachen. Das mag abgedroschen klingen, aber seine Filme treffen genau den richtigen Ton.
Die „Power Ballad“ dreht sich um den Hochzeitssänger Rick Power, der seine Träume vom Starruhm längst aufgegeben hat, um eine Familie zu gründen. Bei einem seiner Auftritte trifft Rick auf den ehemaligen Boyband-Superstar Danny Wilson. Nachdem sie gemeinsam Stevie Wonders „I Wish“ gesungen haben, rauchen sie einen Joint und jammen bis spät in die Nacht. Rick spielt Danny einen seiner eigenen Songs vor, der sich als echter Ohrwurm erweist. Monate später erfährt Rick, dass sein Song veröffentlicht wurde – gesungen von Danny Wilson. Und Rick hat dafür weder Anerkennung noch finanzielle Entschädigung erhalten.
Weltweiter Hit
Als der Song weltweit zum Hit wird, hat Danny den Kontakt zu Rick längst abgebrochen. Dazu kommt noch das große Pech: Rick kann nicht beweisen, dass er der Urheber ist. Mit seinem treuen Freund Sandy begibt er sich auf die Suche nach Belegen für seine Urheberschaft.
Von da an konzentriert sich der Film ganz auf Rick und seinen allmählichen Abstieg in den Wahnsinn. Trotz der unterschwelligen Tragik ist der Film unterhaltsam und witzig – aber auch extrem stressig. Paul Rudd liefert eine herausragende Leistung als Rick und verkörpert den sympathischen Außenseiter, dem man den Erfolg wünscht, mit großem Charme. Ganz zu schweigen davon, dass er tatsächlich singen kann. Leider kann man Letzteres für Nick Jonas, der Danny Wilson spielt, nicht behaupten. Ohne seine engelsgleiche Stimme schmälern zu wollen – aber er trägt seine Texte völlig monoton vor.
Gebt mir einen Oscar
Dazu wird der strittige Song im Verlauf der Geschichte einigermaßen überstrapaziert. Man kann ihn förmlich flüstern hören: „Gebt mir eine Oscar-Nominierung …“
Trotz dieses merkbaren Liebäugelns mit einem möglichst breitenwirksamen Erfolg merkt man dem Film an, dass Regisseur John Carney fest an die Kraft der Musik glaubt: an ihre Fähigkeit, unterschiedliche Menschen zu verbinden, an ihre heilende Wirkung und an ihre kathartische Kraft, unterdrückten Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Und dass er der herzzerreißenden Geschichte auch Hoffnungsschimmer entlockt, macht ihn sympathisch und zur guten Unterhaltung.
INFO: USA/IRL 2026. 98 Min. Von John Carney. Mit Paul Rudd, Nick Jonas.
Source:: Kurier.at – Kultur



