Festwochen-Chef Milo Rau: „Debatte um Peter Thiel“ geht 2027 weiter

Kultur

Der Intendant der Wiener Festwochen, Milo Rau, hat das Talent, allem etwas Positives abgewinnen zu können. Auch beim Gespräch im Gastgarten des Sperls – gleich neben dem Büro der Wiener Festwochen. Die Schirmkappe macht ihn noch mehr zum Lausbuben.

KURIER: Bevor wir noch eine Frage stellen können, gehen Sie schon mit einer Ansage ins Gespräch …

Milo Rau: Ja, die Mütze ist gut! Ich habe gemerkt, dass dann genau darüber Gespräche anfangen.

„I’m retired“: Der Satz ist – wie so vieles bei Ihnen – bloß Geste.

Ich wollte Euch Hoffnung machen. Aber es wird nicht passieren.

Die Provokationsschiene hat heuer mit Peter Thiel sehr gut funktioniert – weit besser als 2024 mit Omri Boehm, der die jüdische Gemeinde gespaltet hatte. Es gab etliche Produktionen für das klassische Festwochenpublikum. Aber nach Ihrem dritten Jahr denkt man sich: Sie haben alle Schraubenschlüssel in Ihrem Werkzeugkoffer durch.

Meine Erfahrung mit dem Publikum ist: Das Unbekannte, vielleicht sogar Exotische kommt am besten an, ich meine damit all das, was am Stadttheater nie passieren wird, weil das eine andere Tradition hat. Ursina Lardi ist, wie Ihr wisst, meine Lieblingsschauspielerin. „Tanzende Idioten“ mit ihr in der Hauptrolle ist genial, die Kritiken euphorisch, aber wir mussten uns richtig anstrengen, die Vorstellungen voll zu kriegen. Kunst aller Art aus allen Ecken und Enden Europas und der Welt dagegen interessiert mehr, weil man das sonst in Wien nicht sehen kann.

Sie lenken ab. Heuer gab es noch einmal das Durchspielen der Choreografie der letzten Jahre – mit Debatte und Provokation. Ist die Ermüdung nicht schon spürbar?

  „Kronen Zeitung“ stellt Führungsetage neu auf

Glauben Sie? Die Statistik sagt das glatte Gegenteil. In den letzten drei Jahren haben wir die Neugeburt eines Traditionsfestivals erlebt. Wir haben jedes Jahr die Zahl der Kauftickets gesteigert 2026 einen neuen Verkaufsrekord erzielt. Und wir hatten dreimal mehr Artikel in den Medien. Nicht nur über Thiel, genauso über die Produktionen. Man müsste also fragen: Wie erklären Sie sich diesen Aufmerksamkeits- und Ticketverkaufzuwachs, wenn die Festwochen die Leute nicht mehr interessieren?

Naja, das merkt man erst mit Verzögerung. Heuer war man gelangweilt – und schaut sich 2027 nicht mehr das Programmheft an.

Clevere Retourkutsche! Ich bin ja das Zirkus-Pferdchen, aber wir sind eine Armada an Fachleuten – und überlegen uns genau, was wir machen. Das Problem der Festwochen war doch, dass es keine Festival-Dramaturgie gab. Wir hingegen haben ein Thema, ein Festival-Zentrum, wir gehen auf die Stadt zu, haben keine Angst vor Komplexität, Auseinandersetzungen – und vor allem bringen wir die beste, avancierteste Kunst aus der ganzen Welt nach Wien. Es gibt für die zwei kommenden Jahre der „Freien Republik“ mehr als genug, was wir noch verfeinern und verbessern können.

Was hat denn nicht funktioniert?

Ich kann doch nicht auf Produktionen zeigen, die schwierig waren. Allgemein gesagt: Es ist nicht sinnvoll, Dinge zu machen, die es ohnedies schon gibt – zum Beispiel eben deutschsprachiges Sprechtheater.

Darunter Ihr kunterbunter Rückblick auf 75 Jahre Festwochen mit dem vollmundigen Titel „Das beste Stück aller Zeiten“ .

Das ist beim Publikum super angekommen. Aber es hat sich gezeigt: Die Menschen lieben das Theater, sie interessieren sich aber nicht so sehr für …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.