Szczepan Twardochs Roman „Sehnsucht“: Einmal um die Welt im Stausee

Kultur

Der alte pensionierte Bergmann Erwin Piontek träumte sein Leben lang davon, Seemann zu werden. Sein Vater hat ihm diesen Traum mit dem Gürtel aus dem Leib geprügelt, weil der Sohn eines Bergmanns Bergmann werden muss.

Jetzt im Ruhestand kauft er ein altes Boot und segelt mit ihm auf dem nahegelegenen Rybnik-Staussee Runde um Runde. So lange, bis die gefahrene Strecke einer Weltumsegelung entspricht. Nichts hält ihn auf, nicht Kälte, nicht der Hunger oder die aufgeregte Pressemeute. Dann bricht die Geschichte plötzlich ab.

Weltumsegelung

Szczepan Twardoch tritt in seinem neuen Roman „Sehnsucht“ als am Rande in die Geschichte involvierter Ich-Erzähler auf und beobachtet die Abenteuer des Erwin Piontek. Im zweiten Teil ist Erwin 100 Jahre früher Soldat der deutschen Kolonialtruppen und als Matrose nach Afrika gekommen. Im dritten Teil der Geschichte lebt er 2031 in einer polnischen Diktatur, wird verhaftet und zum Doppelgänger des Despoten gemacht. Der Autor ruft seinem Protagonisten zu: „Ihr seid ein und derselbe Mensch, Erwin, eure Körper, Gene und Gehirne sind gleich, was euch unterscheidet ist der Stempel der Zeit, in der ihr aufgewachsen seid, alle in Plichowitz, dieser völlig unbedeutenden Ortschaft in Oberschlesien. Ein geglücktes Experiment.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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