Strafprozess: Die „echten Emotionen“ des Herrn Strache

Politik

Ehe er das letzte Mal in der Sache befragt wird, erbittet der frühere Vizekanzler eine Pause. Zehn Minuten, antwortet der Richter, und Heinz-Christian Strache ist zufrieden. „Da geht sich eine Zigarette aus.“ Der 57-Jährige ist gestresst, beim Schlussplädoyer tätschelt ihm seine Anwältin die Hand – manches, was die Staatsanwälte vortragen, bringt Strache in Wallungen. „Und diese Emotionen“, sagt die Anwältin, „die kann man nicht spielen. Die sind echt.“

Das ist nicht verwunderlich, denn: Für den gefallenen FPÖ-Chef geht es um verdammt viel an diesem Julitag. Zehn Jahre stehen auf Untreue – und die Staatsanwaltschaft Wien sieht sie als erwiesen.

Die Anklage wirft Strache vor, die FPÖ betrogen zu haben. Mit der Hilfe des früheren Finanzreferenten der FPÖ, Johann „Johnnie“ Herzog, soll Strache eine von der Landespartei abgeschlossene Versicherungspolizze geändert und versucht haben, sich 940.000 Euro zu krallen.

Unstrittig ist: Die Versicherung gab es lange vor Strache, Hilmar Kabas hat sie eingerichtet. Unstrittig ist weiters, dass sie 2014 geändert wurde. Im Büro von FPÖ-Anwalt Peter Fichtenbauer unterfertigen Strache und Herzog eine neue Abmachung, die Strache zum Bezugsberechtigten des Geldes machen sollte.

Worst Case

An dieser Stelle gehen die Darstellungen auseinander.

Für Strache ist es erwiesen, dass die Versicherung nicht nur für den Todesfall, sondern auch für den möglichen Worst Case, etwa einen Rücktritt, gedacht war. „Ich habe für die FPÖ alles in die Waagschale geworfen“, sagt er. Tag und Nacht sei er ab 2004 für die FPÖ gerannt, materiell habe er nicht vorgesorgt. Seinen Job als Zahntechniker? In den hätte er als Parteichef nie zurückkehren können. Und auch die Drohungen – Strache erzählt von einer Messerattacke in einem Hotel und einem geplanten Schussattentat am Viktor–Adler-Markt – hätten allen in der FPÖ gezeigt: Es kann schnell vorbei sein.

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Vor diesem Hintergrund sei es notwendig gewesen, dass ihm die FPÖ ein Netz spannt, um ihn und seine Familie aufzufangen – daher die Lebensversicherung. Andernfalls würde niemand den Knochenjob machen.

Bis hierhin ist Straches Erzählung realpolitisch verständlich, das Problem war nur: Bis auf ihn selbst finden sich kaum Zeugen, die seine Wahrnehmungen bestätigen.

Der frühere Finanzreferent Herzog etwa, der mit Strache angeklagt ist, spricht zwar ebenfalls von Druck. Allerdings bestand dieser vor allem darin, dass ihn, Herzog, die Herren Strache und Fichtenbauer unter Druck gesetzt hätten, 2014 die Vereinbarung zu unterfertigen.

Die Mehrzahl der Zeugen – die Staatsanwaltschaft hat alle damals im FPÖ–Finanzausschuss tätigen Mandatare geladen – kann sich nicht erinnern, dass die Partei Strache eine Rente oder für sein politisches Scheitern eine Versicherung zugestanden haben soll.

Den früheren Parteichef kränkt diese „Amnesie“ maximal, wie er am Donnerstag beteuert. Dumm auch, dass es kaum schriftliche Aufzeichnungen aus der FPÖ gibt. Auch die Polizze der Versicherung lässt manch Frage offen.

Gesichert ist nur: Das Geld ist nie bei Strache gelandet, es wurde der Partei von der Versicherung rücküberwiesen – und alle Versuche des gefallenen FPÖ–Chefs, das Geld zu bekommen, verliefen im Sand.

Nach einer vergleichsweise kurzen Beratung von etwas mehr als einer halben Stunde fällt das Gericht am späten Donnerstag sein Urteil: Heinz-Christian Strache und Johann Herzog sind nicht schuldig.

Die Erklärung fasst der Richter sehr knapp zusammen: Die …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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