
Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) hat am Sonntag den 1873 in Wien verstorbenen Bischof Eugen Hackmann in der Czernowitzer Paraskewa-Kirche zum Heiligen proklamiert. Die Zeremonie wies deutliche nationale Akzente auf, wie der Ostkirchenexperte Thomas Nemeth am Freitag der Kathpress berichtete. Hackmann sei von der OKU insbesondere für seine Verdienste für die ukrainische Nation gewürdigt worden, während er in rumänischen Kreisen teilweise als Verräter an nationalen Anliegen dieser Bevölkerungsgruppe der Bukowina betrachtet wird, erläuterte Nemeth.
In heutiger Ukraine geboren
Geboren wurde Hackmann um 1794 im damals österreichischen Wasloutz, das heute in der Ukraine liegt. Er stammte aus einer Bauernfamilie und sprach Ukrainisch, Rumänisch und Deutsch. Hackmann studierte Theologie an der Universität Wien und war unter anderem Rumänisch-Lehrer von Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand I.
Von rumänischer Seite werde Hackmann bis heute übelgenommen, dass er sich erfolgreich den Plänen des Hermannstädter Bischofs widersetzte, das Bistum der Bukowina in eine rumänische Metropole zu integrieren, so Nemeth. Hackmann habe vielmehr die Errichtung einer eigenen orthodoxen Metropole für den österreichischen Teil der Habsburgermonarchie mit Sitz in Czernowitz forciert.
Laut Nemeth lägen die Verdienste Hackmanns insbesondere in der Förderung der kirchlichen Infrastruktur, des Schulwesens und der theologischen Ausbildung. Von Hackmanns kulturpolitischem Engagement zeugten neben der Czernowitzer Kathedrale, die während seiner Amtszeit errichtet wurde, vor allem die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Metropolitanresidenz. Sie wird heute als Hauptgebäude der Universität Czernowitz genutzt.
„Bischöfe der Donaumonarchie“
Im Rahmen der vom Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber herausgegebenen Reihe „Die Bischöfe der Donaumonarchie 1804 bis 1918“ arbeitet Nemeth derzeit an einem eigenen Band zu den Ostkirchen. Der Band soll auch die rund um die Person von Bischof Hackmann zutage getretenen nationalen Kontroversen wissenschaftlich aufarbeiten. „Gerade die Familie Hackmann zeigt, dass eine eindeutige Einordnung als Ukrainer oder als Rumäne nicht sinnvoll erscheint“, erklärte Nemeth.
Einige Familienmitglieder hätten sich deutlich auf Seite der rumänischen Nationalbewegung engagiert. Der Bischof selbst sei gegenüber gewissen rumänischen kulturpolitischen Maßnahmen durchaus aufgeschlossen gewesen, habe zugleich aber auch ukrainische Kräfte gestärkt, „wobei im Hintergrund lokale kirchenpolitische Anliegen und Eigeninteressen spürbar sind“.
Gerade weil kirchliche Geschichtsschreibung nicht selten nationaler Abgrenzung dient, müsse man laut Nemeth hervorheben, „dass gerade Bischof Hackmann eigentlich ein Repräsentant der nicht spannungsfreien, aber gemeinsamen Geschichte von Rumänen und Ukrainern in der Bukowina sein könnte“.
Source:: Kurier.at – Politik



