
Nach der Tour de France führte Felix Großschartner der erste Weg in die Fleischerei. Mit einer dicken, deftigen Leberkässemmel belohnte sich der Oberösterreicher für die Strapazen der dreiwöchigen Rundfahrt. „Ich bin ein riesiger Leberkäsfan.“
Der Edelhelfer hat für sein UAE-Team wieder einmal ganze Arbeit geleistet: Tadej Pogacar gewann zum fünften Mal die Tour, Isaac del Toro wurde Dritter.
3.245 Kilometer in drei Wochen, was macht das mit einem Radprofi? Welche Nachwirkungen hat so eine Rundfahrt für den Körper?
KURIER: Wie geht’s Ihnen 72 Stunden nach der Tour? Felix Großschartner: Eigentlich erstaunlich gut. Ich bin bis Dienstag Abend in Paris geblieben, wobei das Sightseeing schon hart ist. Beim Spazierengehen spürst du die Tour.
Wie macht sich das bemerkbar?
Mein Gesicht fühlt sich irgendwie total angeschwollen an. Und du bist einfach müde und leer. Wobei die richtige Müdigkeit dann meistens erst so vier, fünf Tage nach der Tour daherkommt. Jetzt läuft der Motor noch ein bisschen nach, aber wenn du dich drei, vier Tage nicht bewegst, dann lässt alles aus und du fällst in ein kleines Loch.
Wie darf man sich nach der Tour eigentlich eine Siegesfeier im Team vorstellen? Hat man da überhaupt die Energie dafür oder schlafen da alle am Tisch ein?
Wir hatten am Sonntag ein Teamevent mit den Sponsoren. Aber weil die Siegerehrung so spät war, ist das erst gegen Mitternacht losgegangen. Bis 2 Uhr Früh haben wir gegessen. Am Ende bleiben dann meistens eh nur die Fahrer übrig.
Verträgt der Körper nach drei Wochen Strapazen überhaupt Alkohol?
Bei mir ist es schon vorgekommen, dass ich nach dem ersten Bier schon was gespürt habe. Ich bin nach einer Grand Tour dann eher der Fan von gemütlichen Feiern: Ein bisschen Zusammensitzen, Lachen, Reden.
Die Tour analysieren?
Genau. Es erlebt ja jeder Fahrer die Tour anders. Jeder ist in diesen drei Wochen seine eigene Story. Das ist echt witzig.
In ihrer Story kommt auch ein schwerer Sturz vor.
Das war eine brenzlige Situation, weil Isaac del Toro auf mich drauf gekugelt ist. Ich hatte ziemlich Glück, ich habe nur einen Bluterguss am linken Oberschenkel, den spüre ich heute noch.
Das heißt, Sie pflegen jetzt Ihren Körper und liegen auf der faulen Haut?
Nein, nein. Ich bin ein Fan davon, jeden Tag am Radl zu sitzen. Erstens weil es mir einfach großen Spaß macht, zweitens habe ich das Gefühl, dass meinem Körper die Bewegung guttut und dadurch diese Grundmüdigkeit weggeht. Wobei ich die Tour inzwischen fast mental anstrengender finde. Du bist drei Wochen extrem angespannt, auf den letzten Etappen nerven dich Dinge, über die du am Anfang noch gelacht hast.
Im Rückblick: Konnten Sie die Tour auch genießen?
Zu 99 Prozent ja. Natürlich ist es eine große Quälerei, aber wenn es dir Spaß macht, dann ist die Quälerei leichter zu bewältigen. Es ist ein Leiden, aber zugleich meine große Leidenschaft. Mit 15 habe ich davon geträumt, dass ich einmal bei der Tour dabei bin, jetzt bin ich im besten Team. Das macht mich stolz. Wahrscheinlich werde ich das erst in einigen Jahren richtig einordnen können: Du stehst am Champs-Élysées am Podium, und das mit dem vermutlich besten Radfahrer …read more
Source:: Kurier.at – Sport



