
Der Klimawandel macht es möglich. Die Nordwestpassage, einst nur für Eisbrecher passierbar, ist schon seit einigen Jahren über weite Teile des Jahres eisfrei. China nützt die legendäre Schifffahrtsroute jetzt erstmals auch großflächig für seine Containerschiffe und damit für den Warenexport nach Europa und Afrika. Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Konflikt zwischen USA und Iran macht diese Transport-Alternative noch attraktiver. Schließlich spart der Weg über die Beringstraße und dann über die Arktis nach Europa nicht nur tausende Kilometer und damit Treibstoff, sondern weicht auch dem politischen Konflikt und damit den Risiken in der Golfregion aus.
Schiffsverkehr seit mehr als zehn Jahren
Dass Schiffe aus Asien über die Arktis-Route in die Ostsee und damit nach Europa gelangen, ist bereits seit einigen Jahren Routine. Regelmäßig wagen sich Kapitäne in die schmelzende Arktis vor. In dieser Woche aber nimmt das chinesische Schifffahrtsunternehmen „Sea Legend“ erstmals den regelmäßigen Verkehr seiner riesigen Containerschiffe durch die Arktis auf, wie die britische „Financial Times“ aktuell berichtet. „Sea Legend“ konzentriert sich vor allem auf den Transport chinesischer Waren nach Europa, Afrika und die Türkei.
Die „Eis-Seidenstraße“
Auch einen klingenden Namen hat das Unternehmen für die neue Route bereits parat: Die „Eis-Seidenstraße“. Eine klare Anspielung auf die „Neue Seidenstraße“, das Riesenprojekt, das China seit Jahren vorantreibt: Die Wege für Chinas Exporte in den Westen, sowohl auf dem Land- als auch dem Seeweg, werden quer durch Asien und durch Europa großzügig ausgebaut. Die Regierung in Peking baut dafür nicht nur Straßen und Eisenbahntrassen, sondern kauft sich in Hafenanlagen von Sri Lanka bis Griechenland ein.
Reise nur halb so lang
Vorerst einmal pro Woche will das Unternehmen ein oder auch mehrere Containerschiffe auf die Reise schicken. Auf der alten Route durch den Indischen Ozean und durch den Suezkanal dauert die rund 40 Tage, schickt man die Schiffe über die Arktis etwa nach Großbritannien, kommt man mit 23 Tagen aus. Das schlägt sich natürlich in den Kosten nieder. Auch europäische Firmen, wie etwa der Logistik-Riese Maersk, haben die Route schon ausprobiert, bleiben aber vorerst zurückhaltend, vor allem wegen des empfindlichen Ökosystems in der Arktis. Die wirtschaftliche Nutzung der Region, etwa auch durch Bergbauunternehmen, ist deshalb auch politisch äußerst umstritten. Schäden, wie sie etwa durch ein Schiffsunglück entstehen könnten, hätten extrem langfristige und nur mit extremem Aufwand zu beseitigende Konsequenzen. Bedenken, auf die Chinas Unternehmen keine Rücksicht zu nehmen brauchen. Schließlich kann ihnen mediale Empörung weitgehend egal sein.
Risiko weiterhin hoch
Riskant bleibt die Route für die Schiffe weiterhin. Die müssen für die weiterhin mögliche Begegnung mit großen Eismassen gerüstet sein. Kommt es zu einem Unglück, sind auch Hilfs- und Rettungseinsätze deutlich aufwendiger. Auch dauert es länger, bis Hilfe die Verunglückten überhaupt erreicht, oft wird es notwendig sein, dafür einen Eisbrecher auf die Reise zu schicken – und die sind nicht ständig verfügbar. Risiko ist für die Cargo-Schifffahrt vor allem eine Versicherungs- und damit eine Kostenfrage, wie auch die Krise in der Straße von Hormus gezeigt hat. Die Versicherungsprämien schnellten so heftig in die Höhe, dass sich die Schiffe nicht mehr kostendeckend versichern ließen und deshalb liegen blieben. …read more
Source:: Kurier.at – Politik



