
Die Luftfahrtindustrie boomt trotz geopolitischer Unsicherheiten. 42.000 neue Passagierflugzeuge werden bis 2045 benötigt. Davon profitiert auch der oberösterreichische Zulieferer FACC, der sämtliche großen Hersteller von Airbus über Boeing bis zu Comac und Embraer mit Komponenten beliefert.
Der Konzernumsatz stieg im ersten Halbjahr um 8,6 Prozent auf 526 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um 38 Prozent auf 25,3 Mio. Euro zu. Für das Gesamtjahr stellt Konzernchef Robert Machtlinger ein Umsatzplus von 10 bis 15 Prozent in Aussicht. Die Umsatzmilliarde dürfte damit heuer zum ersten Mal geknackt werden.
Viel Potenzial bei Drohnen
Wachsen will FACC nicht nur mit Komponenten für Passagierflugzeuge und Kabinen für Businessjets. Hohe Erwartungen setzt man auch ins Drohnengeschäft, in dem man seit fast zehn Jahren aktiv ist. Bisher habe man Entwicklungsaufträge in der Höhe von rund 100 Mio. US-Dollar abgearbeitet, sagt Machtlinger. Jetzt gehe es in die Serienfertigung.
Aktiv ist man sowohl bei Passagier- als auch bei Logistikdrohnen, die etwa Medikamente transportieren. 35 bis 45 Mio. Euro an Aufträgen für die Serienfertigung liegen laut dem FACC-Chef bereits vor. Bis 2030 soll das Drohnengeschäft 15 bis 20 Prozent der FACC-Umsätze ausmachen, das wären – nimmt man aktuelle Zahlen als Maßstab – 150 bis 200 Mio. Euro im Jahr.
Zu den Kunden von FACC in dem Bereich zählen neben dem chinesischen Hersteller Ehang auch die Embraer-Tochter Eve Air Mobility und der US-Hersteller Archer Aviation.Europa habe bis vor wenigen Jahren zu den Frontrunnern bei zivilen Drohnen gezählt, heute gebe es keine wesentlichen Hersteller mehr, bedauert der FACC-Chef.
Die Drohnenfertigung erfolgt an den oberösterreichischen Standorten in Reichersberg und St. Martin. Wenn das Volumen weiter steige, könnten die Fluggeräte und Komponenten dafür künftig auch am US-Standort in Wichita produziert werden, sagt Machtlinger. Bisher ist das Drohnengeschäft dem Bereich „Engines & Nacelles“, also Triebwerken und Triebwerksverkleidungen, zugeordnet. Künftig könnte dafür laut Machtlinger auch eine eigene Drohnen-Division geschaffen werden.
Dual Use
Ist auch der Einsatz im militärischen Bereich denkbar? Vorstellbar sei allenfalls der Dual-Use-Bereich, also Fluggeräte, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt werden können. So hätten etwa Kunden von FACC Verträge mit dem US-Verteidigungsministerium, sagt Machtlinger. Dabei gehe es aber nicht um bewaffnete Drohnen, sondern um den Transport von Personen. Der Mehraufwand für Exportgenehmigungen sei für solche Nutzungen minimal, sagte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage zum KURIER.
Der Einstieg ins reine Militärgeschäft sei auch wegen des chinesischen Mehrheitseigentümers schwer darstellbar, sagt Machtinger. Der chinesische Luftfahrtkonzern AVIC (Aviation Industry Corporation of China) hält seit zehn Jahren über eine Tochtergesellschaft mehr als 55 Prozent der Stimmrechte an FACC.
Effizienzsteigerung
Ein vor zwei Jahren gestartetes Effizienzprogramm hat geholfen, die Profitabilität zu erhöhen. Die EBIT-Marge stieg im ersten Halbjahr auf 4,8 Prozent. Bis 2027 will man 8 Prozent erreichen. Zur Effizienzsteigerung sollen Automatisierung und Digitalisierung wesentlich beitragen.
Maßstäbe dafür will man mit einem neuen Werk im Innviertel setzen. In den Standort in St. Martin werden 120 Mio. Euro investiert. Der Baubeginn ist im Oktober geplant. Die Produktion soll Ende 2028 starten. Machtlinger spricht von einem völlig neuen Betriebsmodell. Vom Bauteiltransport über das Schneiden des Materials bis hin zur Lackierung soll automatisiert werden. 300 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. „Im heutigen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



